Unser Fischotterprojekt

Der Fischotter (Lutra lutra) hatte es lange Zeit nicht leicht. Es gab Zeiten da war er in ganz Europa verbreitet. Doch Jahrhunderte der Verfolgung durch den Menschen, er wurde vor allem als Konkurrent bei der Nutzung der Fischbestände gesehen, Zerstörung der Lebensräume durch die Kanalisierung und Verrohrung der Flüsse und Bäche, Trockenlegung der Feuchtgebiete und Gewässerverschmutzung ließen den Fischotter in den 70er Jahren fast verschwinden. Erst verschiedene Abkommen: Washingtoner Artenschutzabkommen, Berner Konvention, FFH-Richtlinie, sorgten für einen besseren Schutz des Fischotters und als Folge breitete sich der Fischotter langsam wieder aus. In Deutschland überlebte der Fischotter nur in Gebieten der ehemaligen DDR und mit dem Mauerfall begann auch seine Ausbreitung gen Westen. Langsam aber stetig breitet sich der Fischotter von dort aus.        
In Folge eines Wiederansiedlungsprogramm in den Niederlanden entwickelte sich eine Population die sich auch Richtung Osten ausbreitet. Beide Populationen haben sich bereits im Norden Niedersachsens getroffen und der Siegeszug des Fischotters nach Süden startete.

Am Dümmer gibt es seit über einem Jahrzehnt immer wieder vereinzelte Hinweise auf den Fischotter und so berücksichtigt die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. (NUVD) seit 2012 den Fischotter bei der Umsetzung von Gewässermaßnahmen und wirbt für sogenannte Otterbermen unter Brücken. Seit 2015 wird auf Grund akuter Hinweise eine systematische Erfassung des Fischotters in der Dümmerniederung durchgeführt, zunächst nur am See und südlich davon, ab 2017 dann auch nördlich bis nach Vechta, also im gesamten Betreuungsgebiet der NUVD.

Unsere erste Otterberme an der L853, hier besteht noch Optmierungsbedarf. Es fehlt ein Steg ans Ufer (Foto: Christian Vogel).

Nachdem zunächst zwar unregelmäßig Nachweise des Fischotters anhand von Trittsiegeln (Fußabdrücken) und Losung (Kot) nachgewiesen werden konnten, wurde der Verdacht auf Grund plötzlicher Häufungen von Losungsfunden unter Brücken auf eine Besiedlung durch den Fischotter in der Kartiersaison 2018/2019 tatsächlich bestätigt.

Mitarbeiter der NUVD sind nun von November bis Februar regelmäßig in der Dümmerniederung unterwegs um verschiedene Brücken und andere markante Punkte nach Fischotterlosung zu untersuchen. Die Losung ist zum Glück fast unverwechselbar, da der Fischotter sich in erster Linie von Fisch ernährt und diesen samt Gräten und Schuppen frisst. Dies spiegelt sich dann auch in der Losung anhand eines fischigen Geruchs und dem vorhanden sein der unverdaulichen Schuppen wider.
Um die Losung zu finden sind Brücken mit einem trockenen Bereich, einer sogenannte Berme, optimal, denn genau hier markieren die Fischotter ihre Reviere. So konnten an diversen Brücken entlang der Lohne und entlang des Grabens der Entlastungsschleuse West in den letzten drei Saisons regelmäßig Fischotterlosung gefunden werden und zwar soviel, dass auf eine dauerhafte Ansiedlung im nordwestlichen Dümmer und der Lohne geschlossen werden kann.

Die nachtaktiven Tiere sind zwar nicht menschenscheu, sind dafür Meister der Tarnung. Schwimmt dieses bis zu 1,30 m lange Tier, so schauen nur die Augen und die Nasenlöcher heraus, was sie sehr schwer in der Dunkelheit erkennbar macht. Aufgrund ihres dichten Fells strahlen sie auch nur sehr wenig wärme ab, sodass sie auch von vielen Wildkameras nicht erfasst werden. So ist es uns leider noch nicht gelungen ein lebendes Tier in der Dümmerniederung zu sichten oder zu fotografieren.  
Leider sind bereits im Raum des Landkreises Diepholz sowohl ein Fischotter im Jahre 2018 als auch ein Fischotter im Jahre 2019 im Straßenverkehr ums Leben gekommen. So traurig es doch ist, Verkehrsopfer geben damit aber auch einen Hinweis darauf, dass sich wahrscheinlich mehrere Tiere in diesem Gebiet aufhalten. Der Fischotter ist im Straßenverkehr leider besonders gefährdet.       
Neben Flüssen und Seen nutzt der Fischotter auch gerne Gräben für seine Wanderungen und überall wo er unter einer Brücke oder in einem Rohrdurchlass nicht markieren kann, setzt er seine Markierung auf die Straße, das geht leider nicht immer glimpflich aus.   

Ein Fischotter, der leider als Verkehrsopfer in der Dümmerniederung gefunden wurde (Foto: Udo Effertz).

Aus diesem Grund bemüht sich die NUVD bei entsprechenden wasserbaulichen Vorhaben, wie z.B, Brückensanierungen, dass Otterbermen installiert werden. Das können zum einen Steinschüttungen an den Brückenfundamenten sein, die oberhalb der Wasserkante sind, das können aber auch einfache Holzbretter sein, die als Laufstege fungieren. Beim Neubau der Brücke über die Lohne wurde der Fischotter z.B. bereits berücksichtig und zwar ohne unserem zutun (das ist leider nicht immer so). Zudem sind wir bestrebt bestehende Brücken ebenfalls mit Bermen nachzurüsten, sofern keine vorhanden sind.

Neben der Arbeit im Gelände ist die Aufklärung der Bevölkerung sehr wichtig, der Fischotter ist ein konfliktträchtiges Tier. Neben Zeitungsartikel und Internetbeiträgen auf unseren Webseiten, wurde 2014 an der Naturschutzstation in Hüde eine Ausstellung rund um die Semiaquaten eröffnet. Neben dem Fischotter gibt es hier auch Informationen rund um Biber, Wasserspitzmaus, Nutria und Co., eben zu allen Säugetieren, die sich an den Lebensraum zwischen Wasser und Land angepasst haben.

Präparat in der Semiaquatenausstellung in der Naturschutzstation in Hüde (Foto: Christian Vogel).

Und wer weiß, vielleicht gibt es in gar nicht allzu ferner Zukunft auch endlich ein Bild eines Fischotters vom Dümmer in diesem Blog.

Baumläufer

Weltweit gibt es 11 Arten von Baumläufern, in Deutschland nur zwei – der Waldbaumläufer und der Gartenbaumläufer. Diese beiden Vögel auseinander zu halten ist allerdings gar nicht so einfach, sie sehen einfach sehr ähnlich aus. Am einfachsten ist die Unterscheidung anhand ihres Rufes, ihrer Stimme.
Der Lebensraum kann auch einen Hinweis auf die jeweilige Art geben. Der Gartenbaumläufer bevorzugt Parks, Mischwälder und Streuobstwiesen, der Waldbaumläufer hingegen ist eher in Nadelwäldern anzutreffen.

Baumläufer; Foto: Werner Brinkschröder

Boller Moor und Lange Lohe

Im Boller Moor und Lange Lohe rasten viele Sing- und Zwergschwäne. Da wo sonst sehr viele dieser nordischen Gäste überwintern, halten sich aktuell nur vereinzelte auf, vielleicht sind die warmen Temperaturen daran Schuld.

Singschwäne im Boller Moor

Die großen Einzelbäume im Gebiet werden intensiv von Kleinvögel als Zwischenstopp genutzt. Die Schattenseite, besonders für die Wiesenvögel im Frühjahr und Sommer, diese Bäume dienen auch als Sitzwarte für Greifvögel.

Solitärbaum im Boller Moor

Auf einer eingezäunten Fläche grasen diese Pferde als Landschaftspfleger. Diese Konikpferde wurden lange als die letzten Überlebenden der osteuropäischen Wildpferde gehalten, genetische Studien scheinen dies allerdings widerlegt zu haben. Nichtsdestotrotz gibt es in Osteuropa auch heute noch wilde (verwilderte) Herden dieser Rasse.

Konikpferde als Landschaftspfleger
Fotos: Jürgen Richter

Feuersalamander im Stemweder Berg

Eigentlich verbindet man den Feuersalamander (Salamandra salamandra salamandra) gerne mit klaren Bächen, Quellgewässern, großen Gebirgen und Laubwäldern, abgesehen von den Laubwäldern hat der Stemweder Berg davon nicht viel zu bieten. Dem Feuersalamander ist das tatsächlich ziemlich egal. Im adulten Stadium, also ausgewachsen, benötigt der Feuersalamander auch fast keine Gewässer mehr. Dafür bevorzugt er dann die alten Steinbrüche und offenen Kalksandsteinhänge des Stemweder Bergs, den feuchten Laubboden und die störungsfreien Nächte. So ist es auch nicht sehr verwunderlich, dass er hier vorkommt.

Buchenmischwald; Foto: Caroline Poitzsch

Tagsüber verstecken sie sich dann in den Nischen des Kalksandsteins, im Totholz oder unter Baumwurzeln und kommen nachts herauskommen und auf Nahrungssuche gehen. Dann werden vor allem Wirbellosetiere, wie Asseln, Käfer und Schnecken, gefressen.

Die gefleckte Nominatform des Feuersalamanders (Salamandra salamandra salamandra), die einzige. die im Stemweder Berg zu Hause ist; Foto: Christian Vogel

Gewässer werden dennoch für die Geburt der Feuersalamander benötigt. Im Gegensatz zu anderen Amphibien paaren sich die Feuersalamander nicht an den Gewässern, lediglich die Weibchen suchen diese auf um ihre im Körper ausgebrüteten Larven in das Wasser zu setzen. Man spricht von einer sogenannten Ovoviviparie, die Eier werden im Körper der Weibchen ausgebrütet und die Larven anschließend lebend geboren.

Dabei werden durchschnittlich 30 25-35 mm große Larven, selten bis zu 70, innerhalb weniger Tage von einem Weibchen geboren. Je nach Witterungsverhältnissen kann dies bereits im Winter erfolgen, in der Regel aber erst ab Frühlingsbeginn. Für ihre Entwicklung brauchen die Feuersalamanderlarven 2 bis 6 Monate, hierbei ist die Verfügbarkeit von Nahrung, Insektenlarven, ausschlaggebend. Die zunächst schwarzen, kiemenatmenden Larven, die lediglich an den Beinen gelbe Flecken haben, entwickeln sich in dieser Zeit zu den gelbgefleckten Lungenatmer die wir kennen und können dabei bis zu 20 cm erreichen.

12 Feuersalamanderalrven in einem Gewässer, schaut man genau hin sieht man die gelben Flecken an den Beinansätzen; Foto: Christian Vogel

Da der Stemweder Berg nicht gerade für seine Gewässer bekannt ist, werden alle größeren und kleineren Gewässer von den Feuersalamandern genutzt. Um ein paar davon kümmert sich die NUVD, da es sich bei dem Feuersalamander um eine Art nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands handelt.
Diese Gewässer werden regelmäßig auf Feuersalamander und deren Larven kontrolliert. Zudem werden auf der niedersächsischen Seite die Gewässer in unregelmäßigen Abständen gepflegt und für den Feuersalamander optimiert.

Pflegeeinsatz mit der Jugenfeuerwehr Lemförde am Tag der Umwelt; Foto: Christian Vogel

Der Bestand der Feuersalamander scheint dabei stabil zu bleiben, so konnten in den letzten drei Jahren jedes Jahr beim Monitoring mehrere Individuen an den Larvengewässern identifiziert und auch regelmäßig große Ansammlungen von Larven in den Gewässern nachgewiesen werden.
Das sind jetzt keine konkreten Zahlen und das hört sich alles nicht sehr wissenschaftlich an, allerdings bekommt man an den Gewässern auch nur einen kleinen Teil der Population zu sehen.

Für den Feuersalamander sehr gefährlich – Fehlpaarungen von männlichen Kröten können zum ertrinken der Feuersalamander führen; Foto: Christian Vogel

Unsere Aufgaben besteht vielmehr darin, zu kontrollieren, ob die Gewässer angenommen werden und die Larven sich auch entwickeln und das ist jedes Jahr aufs Neue der Fall und freut uns sehr.
Um doch einmal Zahlen zu nennen, wir zählen im gesamten Berg jährlich etwa 40 adulte Feuersalamander an den Laichgewässern bei 4 bis 5 Begehungen (dies speigelt nur einen kleinen Teil der Population wieder) und solange diese Zahl stabil bleibt und wir Larven in den Gewässern finden, gehen wir auch von einer stabilen Population aus. Die genaue Größe kennen wir nicht und können wir auch nicht abschätzen.
Um die Störungen an den Gewässern und Verstecken gering zu halten, streben wir auch kein umfangreicheres Monitoring an.

Eisvögel am Dümmer

Aktuell können an vielen Stellen rund um den Dümmer Eisvögel beobachtet werden.

Eisvogel. Foto: Werner Brinkschröder

Zurzeit lassen sich mit Glück Eisvögel am Bootsschuppen in Hüde, an der Westseite, zwischen Hunte und Olgahafen und in der Hunte zwischen See und Holzbrücke Eisvögel beobachten.

Bereits vor einigen Jahren hat die NUVD auch genau dort eine Bruthilfe für den Eisvogel errichtet. Diese muss allerdings regelmäßig unterhalten werden.

Als Brüter von Steilwänden werden für die Bruthilfen der Eisvögel diese künstlich mit Holzwänden geschaffen und mit bereits künstlichen Höhlen versehen. Die Ufer an Hunte und Dümmer sind für natürlich Bruthöhlen nur schlecht geeignet.

Karmingimpel am Dümmer

Diese Beobachtung stammt zwar aus dem Mai, dennoch wollen wir euch sie nicht vorenthalten, da sie für die Dümmer etas besonderes ist.
Dieser Karmingimpel wurde zwischen Lembruch und Hüde im Uferbereich gesichtet und fotografiert.

Foto: Thomas Feyen

Der Kamingimpel verlagert sein Brutgebiet, welches er von Mai bis Oktober bezieht, immer weiter nach Westen. Vielleicht werden Beobachtungen des Karmingimpel in den nächsten Jahren häufiger werden. Zuvor war er während des Brutgeschäfts hauptsächlich in Osteuropa anzutreffen. Den Winter verbringt dieser Vogel in Indien.