Schlechte Vorzeichen für Kranich- und Gänserast 2018

Nach einem extrem trockenen Sommerhalbjahr, sind auch in den nächsten Wochen keine Niederschläge zu erwarten, die das Wasserdefizit mildern würden. Nun wird es spannend, wie sich die Bedingungen auf die bevorstehenden Rastzeiten von Kranichen und nordischen Gänsen auswirken werden.
Die Entwicklung der Diepholzer Moorniederung zu ihrer heutigen Bedeutung als Rastplatz geht zu einem bedeutenden Teil auf die günstige Kombination aus Nahrungs- und Schlafplätzen zurück. Die wiedervernässten Hochmoore bieten normalerweise große, flache Wasserflächen, die von Kranichen und Gänsen als ruhige und sichere Schlafplätze genutzt werden und „nach dem Aufstehen“ sind mit einem kurzen Flug über die Moorrandbereiche große Maisflächen in unmittelbarer Nähe erreichbar. Mit minimalem Energieeinsatz sind somit ergiebige Nahrungsquellen nutzbar – eine ideale Kombination, um auf dem Zug Energie zu tanken.
In diesem Jahr ist es allerdings anders. Die Trockenheit ließ viele Maisflächen so kümmerlich wachsen, dass dort an die Ernte von Körnermais nicht zu denken ist. Dementsprechend hoch liegt in diesem Jahr der Anteil der zur Silageproduktion gehäckselten Flächen. Wer sich diese einmal aus der Nähe angeschaut hat, wird feststellen, dass dort nur Nahrung zu finden ist, wenn der Häckslerfahrer einmal nicht den Ladewagen getroffen hat, ansonsten findet sich buchstäblich nichts…

Zudem wird die Trockenheit dazu führen, dass selbst die nassesten Flächen, die eigentlich seit jeher Grünlandstandorte waren, aber irgendwann doch umgebrochen und zu Maisäckern wurden, in diesem Jahr abgeerntet werden können – und das sogar mit sehr guten Erträgen.
Die Nahrungsverfügbarkeit für Kraniche, Gänse und alle anderen Tiere, die Mais fressen, wird in diesem Jahr also deutlich schlechter ausfallen.

Wer Kraniche tagsüber auf ihren Nahrungsflächen beobachtet, stellt fest, dass diese auch gerne Gräben aufsuchen. Einerseits, um Abwechslung in den Speiseplan zu bringen, schließlich sind die Vögel als Allesfresser auch Insekten, Mäusen, Würmern, Fröschen und Fischen nicht abgeneigt, andererseits aber natürlich auch, um Wasser zu trinken.
Auch hier kommt in diesem Jahr die Trockenheit in’s Spiel… Wasser sucht man vielfach vergebens. Selbst die größeren Vorfluter sind seit längerer Zeit ausgetrocknet.

Und dies setzt sich in den Hochmooren fort. Kleinere Wiedervernässungsflächen sind vollständig ausgetrocknet und selbst in den sonst großen Wasserflächen sind teils nur noch kleine Lachen verblieben.

Steinfelder Moor. Fotos: M. Holy

Es wird also spannend, ob bis zum Beginn des Kranichzugs doch noch der eine oder andere Starkregen für etwas Wasser in den Mooren sorgt. Für die Nahrungsverfügbarkeit außerhalb der Moore dürfte das aber ohne Auswirkungen bleiben. Hier sieht es in diesem Jahr nach „schmaler Kost“ aus.

Wir freuen uns dennoch über Berichte und Beobachtungen aus der bevorstehenden Rastzeit. Wenn solche Ausnahmejahre auch nicht zur „Rekordjagd“ bei Rastzahl und Rastdauer geeignet sind, bieten sie doch die Aussicht auf spannende Erkenntnisse.

Veranstaltungshinweis zur Kulturlandschaft

Ein Arbeitsschwerpunkt der NUVD ist ja bekanntermaßen der Schutz von Arten der „Normallandschaft“ bzw. der strukturreichen Kulturlandschaft. Zielarten sind dabei u.a. Rebhuhn, Steinkauz, Feldlerche und Neuntöter.
In diesem Zusammenhang möchten wir auf eine Veranstaltung an der Katholischen Akademie Stapelfeld hinweisen, die vielleicht für den einen oder anderen Leser von Interesse sein könnte.
Den Programmflyer mit allen Infos gibt es hier: https://www.ka-stapelfeld.de/downloads/Flyer_Kulturlandschaft.pdf.

Mulcharbeiten im Schilf beginnen

Seit heute ist ein Schlepper mit Zwillingsbereifung und Forstmulcher an der Hohen Sieben im Einsatz und entfernt das dortige Weidengebüsch und andere Gehölze. In den nächsten Tagen kommt dann noch eine Pistenraupe mit Forstmulcher hinzu, die insbesondere die schlecht befahrbaren Bereiche bearbeiten soll. Je nach Witterung und Verlauf der Arbeiten sollen nach der Hohen Sieben noch die Vogelwiese (westlich des Marler Grabens), die Südbucht und das Westufer bearbeitet werden.

Foto: M. Holy

Räumarbeiten am Qualmwassergraben und Marler Graben

Dem einen oder anderen ist sicher bereits aufgefallen, dass am Qualmwassergraben im Bereich der Hüder Saatkrähenkolonie derzeit mit schwerem Gerät gearbeitet wird. Man nutzt die anhaltende Trockenheit, um den ansonsten kaum befahrbaren Räumstreifen von Gehölzen zu befreien. In den letzten Jahren war eine durchgehende Unterhaltung des Qualmwassergrabens nicht mehr möglich, was bereits zu Klagen von Anwohner aufgrund der Vernässung von Grundstücken und Kellern geführt hat. Derzeit stellt ein Bagger die Trasse zwischen der Straße „Am Ochsenmoor“ und dem „Netzsegen“ im Bereich der Holzbrücke über den Marler Graben wieder her. Anschließend sollen ggf. auch noch Unterhaltungsarbeiten am stark verschlammten Marler Graben folgen.

Foto: M. Holy

Einen „Großangriff“ gibt es dann noch in der Verlandungszone des Dümmers – hier soll der niedrige Wasserstand genutzt werden, um großflächig Gehölze aus dem Röhricht zu entfernen. Hierzu hat der NLWKN eine Pressemitteilung herausgegeben.

 

Röhrichtbrand

Am Westufer des Dümmers kam es kürzlich zu zwei Bränden in der Verlandungszone. Dabei brannten ca. 1,3 ha Schilf, Seggen und Weidengebüsch ab. Nachdem am 31. Juli der erste kleinflächige Brand zunächst gelöscht wurde, flammte das Feuer am 5. August wieder auf und machte erneut einen großen Feuerwehreinsatz notwendig. Die Ursache beider Brände ist ungeklärt – ermöglicht wurden sie in diesem Umfang aber sicher durch die extreme Trockenheit. Spannend wird nun die weitere Entwicklung der Brandfläche.

Am 31.7. brannte zunächst der nördliche, in Ost-West-Richtung verlaufende Teil ab. Am 5.8. setzte sich der Brand nach Süden fort.

Freud und Leid bei Trockenheit

Die lang andauernde Trockenheit hat Vor- und Nachteile für See und Umland.
In Lembruch musste nach mehrjähriger Entspannung wieder ein Blaualgen-bedingtes Badeverbot verhängt werden. Steigende Wassertemperaturen und absterbende Blaualgen können zu niedrigen Sauerstoffgehalten führen und kritisch für Fische werden. Hoffen wir, dass wir „mit einem blauen Auge davon kommen“
Für das Schilf mag sich ingegen an der einen oder anderen Stelle die Gelegenheit ergeben, sich durch die Keimung von Samen oder die Ausbreitung über Leghalme in trocken gefallene Uferbereiche auszubreiten. Zum Ausgleich der massiven Röhrichtverluste der letzten Jahre wäre dies sehr wichtig. Aquatische Röhrichtbestände sind mittlerweile Mangelware am Dümmer.
Die schlammigen Ufer in der Südbucht werden nun hingegen von ziehenden Limikolen genutzt.

Niedriger Wasserstand und trocken gefallene, schlammige Uferbereiche in der Südbucht

Nach zwei Jahren mit ergiebigen Sommerniederschlägen, die dazu führten, dass viele Wiesen erst im Herbst oder garnicht gemäht werden konnten, wurden in diesem Sommer alle Flächen in den Schutzgebieten gemäht.  Damit sind wichtige Grundvoraussetzungen erfüllt, um im Winter attraktive Rasthabitate für Gänse und im Frühjahr geeignete Brutgebiete für die zurückkehrenden Wiesenvögel zu haben.
Sinkt der Wasserstand jedoch so weit ab, dass eine Nachlieferung von Wasser aus dem Boden nicht mehr erfolgt, trocknet die Vegetation aus und die verbliebenen Weidetiere bekommen Futtermangel. Auf vielen Wiesen ist derzeit auch an einen Folgeschnitt zur Heuernte nicht mehr zu denken.

Langfristig negative Folgen entstehen dort, wo die Trockenheit den Torfkörper und die darunter liegende Lebermuddeschicht (alte, stark wasserhaltige Seesedimente) schrumpfen lässt. Die sich daraus ergebende Sackung der Böden liegt zum Teil im Dezimeterbereich und ist größtenteils irreversibel, mit der Folge, dass Vernässung und Bewirtschaftung in den kommenden Jahren erschwert werden.

Über 40 Störche an einem kleinen Tümpel im Ochsenmoor (alle Fotos: M. Holy)

 

Fasanengesperre

Der Fasan gehört zu den Vogelarten, die in unserer Agrarlandschaft u.a. aufgrund des Insektenmangels massive Bestandsrückgänge erlitten haben. Ein erfreulicher Anblick bot sich nun mit einem „Gesperre“ von 15 bereits relativ großen Jungfasanen samt Henne (dritter Vogel von Links) am Rand des Ochsenmoores.

Foto: M. Holy