Aalbesatz

Der NLWKN-Vollzugshinweis zum Fischartenschutz für den Europäischen Aal benennt folgende Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen:
– Anhebung des fischereilichen Mindestmaßes auf 45 cm.
– Ökologische Durchgängigkeit von Fließgewässern: Bau bzw. Anpassung von Fischaufstiegsanlagen an die Ansprüche von natürlich aufsteigenden (Glas-)Aalen.
– Schutz abwandernder Aale an technischen Anlagen (Turbinen, Entnahmebauwerke für Kühlwasser etc.).
– Neuerteilung von Baugenehmigungen bzw. Umrüstungen nur bei Nutzung fischschohnender Technik (z.B. Wasserkraftschnecke statt Turbine)
– Verhinderung eines weiteren Bestandsanstiegs des Kormorans, um das Prädationsrisiko nicht weiter ansteigen zu lassen.
– Aalbesatz

Zum Besatz wird Folgendes näher ausgeführt: Eine zwingende Voraussetzung für den Erhalt des Aalbestandes ist mindestens die Aufrechterhaltung des jetzigen Besatzumfangs durch die Fischerei. Unter der Voraussetzung, dass zukünftig genügend Besatzaale zu nicht wesentlich erhöhten Preisen zur Verfügung stehen werden, kann erwartet werden, dass die Fischerei (private Finanzierung) das bisherige Besatzniveau aufrechterhält. Darüber hinaus ist die Steigerung des Besatzes (z. B. mit Mitteln aus dem Europäischen Fischerei-Fonds) elementar für eine Erholung der Bestände.

Gemeinsam mit dem Fischereibetrieb Dobberschütz, der das berufliche Fischereirecht auf dem Dümmer gepachtet hat, haben wir nun rund 100 kg autochthonen Aal in den Dümmer besetzt.
Da die Bestandserfassungen, die wir regelmäßig mit dem Anglerverband Niedersachsen durchführen, gezeigt haben, dass Steinschüttungen bevorzugte, da sichere Einstände der Aale sind, haben wir den Besatz in direkter Nähe solcher Habitate vorgenommen, um die Fische keinem erhöhten Prädationsrisiko auszsetzen.

Video: Marcel Holy

Binsenpflanzung

Wir pflanzen seit mehreren Jahren im Dümmer Teichbinsen, um zu schauen, wie sich die Pflanzen an unterschiedlichen Standorten entwickeln. Dabei haben wir bislang unabhängig von Wassertiefe, Untergrund und Wellenexposition die Erfahrung gemacht, dass sich die Binsen in der Regel sehr gut entwickeln.
Wichtig ist aber ein Zaun gegen Fraßschäden, da die Binsen bei verschiedenen Tierarten auf dem Speisezettel stehen.
Unser Ziel ist es, diese Pflanze, die den See sowohl optisch als auch ökologisch prägte, wieder in großen Beständen zu etablieren.

Hier eine Pflanzung an der Huntemündung. Die Binsen wurden 2019 aus heimischen Samen gezogen und am 22.6.2020 gepflanzt.
Dieses Foto vom 7.8.2020 zeigt die erfreuliche Entwicklung innerhalb von anderthalb Monaten.

Marcel Holy

Schilfpflanzung am Olgahafen

Es wächst und gedeiht, unsere Schilf- und Teichbinsenpflanzungen am Olgahafen. Und das freut uns! Wir hoffen jetzt, dass der gezäunte Bereich innerhalb kürzester Zeit zuwächst und den Vögeln und Fischen gute Lebensraumbedingungen schafft. Über die Entwicklung des Streifens und der Nutzung durch die Tierwelt werden wir in unregelmäßigen Abständen berichten.

Fotos: Udo Effertz

Blühpaten-Projekt wird fortgesetzt

Blühflächen und Ersatz für Biogas-Mais

Der Rückgang der Insekten ist in aller Munde. Neben dem „großen Wurf“, der nur agrar- und gesellschaftspolitisch zu regeln ist, können auch lokal erfolgreiche Maßnahmen umgesetzt werden, um Insekten einen Lebensraum und insbesondere Nahrung zu bieten. Die Projektpartner AG Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg e.V. und Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. (NUVD) haben dies im vergangenen Jahr erfolgreich umgesetzt. Die kurzfristig im Frühjahr 2019 umgesetzte Aktion hat rund 38.500 m² zusätzliche Blühfläche für Bienen, Schmetterlinge und Co. in die Dümmerniederung gebracht.

Blühfläche. Foto: NUVD

Da bereits weitere Landwirte und private Flächeneigentümer ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklärt haben, bietet die NUVD auch in diesem Jahr Patenschaften für Blühflächen an. Dabei kann mittels Spenden, die zu 100 Prozent zur Anlage von Blühflächen verwendet werden, landwirtschaftliche Fläche, die ansonsten zum Anbau von Mais verwendet würde, in ein blühendes und summendes Insektenparadies verwandelt werden. Da der Anbau von Mais grundsätzlich lukrativer für Landwirte ist als eine nicht zu erntende Blühmischung, entsteht eine Ertragslücke, die über die Patenschaften finanziert werden soll. Der Mindestbetrag für eine Blühpatenschaft beträgt 30 €. Dafür werden rund 270 m² mit Blühmischungen eingesät, die anschließend Nahrung für Insekten und Schutz für andere Wildtiere bieten.
Neu in diesem Jahr sind neben den herkömmlichen Blühflächen als Ersatz für Mais, der als Futtermittel angebaut wird, staudenreiche, mehrjährige Blühmischungen, die in Biogasanlagen genutzt werden. Wie verschiedene Untersuchungen gezeigt haben, bieten die Mischungen durch ihr reiches Blütenangebot zahleichen Artengruppen von Insekten bis zu Fledermäusen hervorragende Lebens- und Nahrungsbedingungen. Im Spätsommer werden diese Mischungen geerntet und anstelle von Maissilage zum Betrieb von Biogasanlagen genutzt. Die staudenreichen Bestände wachsen nach der Ernte weiter und können bis zu fünf Jahre jährlich beerntet werden. Da lediglich eine Düngung erforderlich ist, aber weder Spritzmittel zum Einsatz kommen noch gepflügt werden muss, kann sich auch das Bodenleben erholen. Zudem nehmen die Mischungen durch ihre lange Wachstumsphase viele Nährstoffe auf und verhindern so effektiv Nitrateinträge in das Grundwasser. Neben all diesen Vorteilen haben die Blühpflanzen derzeit einen entscheidenden Nachteil; der Biogasertrag ist niedriger als beim Anbau von Mais und auch wenn man die niedrigeren Bewirtschaftungskosten durch Einsparung von Pflügen, Neueinsaat und Spritzmitteln einrechnet, bleibt eine Ertragslücke von etwa 300 € pro Hektar Anbaufläche. Diese soll nun ebenfalls über Blühpatenschaften gedeckt werden, sodass zukünftig nicht nur die Anbaufläche von Futtermais, sondern auch die Maisflächen zur Gewinnung von Biogas reduziert werden können. Da Biogas allerdings einen wichtigen, da grundlastfähigen Beitrag zur klimafreundlichen Energiegewinnung leistet, soll der Betrieb der Anlagen durch die Blühmischungen natürlich beibehalten, aber nachhaltiger gestaltet werden.

Die NUVD sammelt die Gelder und gibt diese anschließend an die beteiligten Betriebe weiter, sodass die Mittel vollständig in den Anbau der Blühflächen fließen. Für die gezahlten Beträge kann die als gemeinnützig anerkannte NUVD Spendenquittungen ausstellen. Jeder Blühpate bekommt nach der Einsaat den Standort der Blühfläche genannt, zu deren Finanzierung er beigetragen hat, sodass man sich vor Ort vom Summen und Brummen überzeugen kann.
Näheres unter www.nuvd.de/bluehpaten. Die Kontaktadresse per Email ist info@nuvd.de, telefonisch erreicht man die NUVD unter 05443-929811. Ab einem Mindestbetrag von 30 € frei wählbare Beträge für die Blühpatenschaften können unter der Angabe „Spende Blühflächen“ auf das Konto DE50 2565 1325 0191 0078 97 bei der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz (BIC: BRLADE21DHZ) überwiesen werden.

Hochmoorprojekte

Ein weiterer Schwerpunkt in unserer Arbeit als ökologische Station ist der Schutz der Hochmoore. Die Diepholzer Moorniederung mit seinen 15 Hochmooren mit einer Fläche von 24.000 ha bildet einen Schwerpunkt im niedersächsischen Hochmoorschutz. Wir konzentrieren uns dabei auf die beiden Mooren Steinfelder Moor und Südlohner Moor.

Wollgras im Südlohner Moor (Foto: Chrsitian Vogel)

Durch Entwässerung und industriellen Torfabbau, der teilweise noch stattfindet, wurden sämtliche Hochmoore im Kooperationsgebiet größtenteils stark verändert.

Die ursprünglich vorhandenen Pflanzengesellschaften und Lebensraumtypen werden heute großflächig durch monotone Pfeifengras- und Moorbirkenbestände ersetzt. Diese bieten Schlangen kaum geeignete Sommerlebensräume mit Sonnen-, Paarungs- und Eiablageplätzen. Raubwürger finden nur noch wenige der zur Nahrungssuche benötigten niedrigwüchsigen und lückigen Vegetationsbereiche mit eingestreuten Ansitzwarten.

Flächen in der Abtorfung (Foto: Christian Vogel)

In den nicht maschinell abgetorften Randgebieten der Hochmoore finden sich Bereiche, in denen typische Strukturen und Pflanzenarten erhalten geblieben sind, jedoch durch Entwässerung und teils starkes Gehölzaufkommen gefährdet sind.

Glockenheide im Steinfelder Moor (Foto: Christian Vogel)

Unser Projekt teilt sich dabei in vier verschiedene Schwerpunktbereiche:

  1. Durch Bestandserfassungen der Brutvogelarten und Winterreviere (insb. Raubwürger) soll die weitere Entwicklung der Moorgebiete im Zuge der bereits laufenden und weiter anstehenden Renaturierungsmaßnahmen dokumentiert werden und durch flächen- und gebietsbezogene Konzepte die weitere naturschutzfachliche Entwicklung gestaltet werden.
  2. Beweidungen in Zusammenarbeit mit dem Archehof Rolfes aus Steinfeld-Holthausen stellen sicher, das bereits entkusselte Flächen und gehölzfreie Flächen nicht verbuschen und den hochmoortypischen Artengesellschaften Lebensraum bieten. Ein fortlaufendes Monitoring zur Beurteilung der Maßnahmen findet begleitend statt.
  3. Lebensraumverbessernde Maßnahmen für die Schlingnatter. Sie besiedelt heute ebenfalls vielfach die verbliebenen, größtenteils degenerierten Hochmoore und Moorheiden aber auch lichte Waldbereiche, Sandheiden, Bahntrassen, Ruderalfluren und Bodenabbaugebiete.
    Die Maßnahmen werden ebenfalls mit einem Monitoring begleitet.
  4. Der letzte Schwerpunkt liegt in der Bearbeitung von Fragestellungen die uns durch den Landkreis Vechta oder durch das NLWKN angetragen werden. Als unsere Kooperationspartner in der Landschaftspflege bearbeiten wir gelegentlich spezielle Fragestellungen für diese Institutionen, so wird aktuell einen neue Biotoptypenkartierung für beide Moore durchgeführt.

Bei der Bestandserfassung der Brutvogelarten können wir inzwischen Bruten von Kranich, Ziegenmelker, Neuntöter, Schwarzkehlchen und weiteren hochmoortypischen Arten verzeichnen. Diese finden vor allem in den renaturierten und gepflegten Bereichen statt. Auch können inzwischen jährlich Winterreviere der Raubwürger festgestellt werden, leider warten wir noch immer auf die erste Brut dieser Art.

Raubwürger auf einem Zaunpfahl (Foto: Werner Brinkschröder)

Bei der Pflege der Fläche werden wir vom Archehof Rolfes unterstützt und würden diese Zusammenarbeit gerne weiter ausbauen, dazu läuft aktuell ein Crowdfundingprogramm. Weitere Infos dazu finden Sie hier: http://nuvd.de/projekte/hochmoorschutz oder sie spenden direkt hier:

Das Schlingnatterprojekt ist unser neuster Schwerpunkt. In der Vergangenheit wurden nur stichprobenartige Kartierungen in den Mooren durchgeführt. Seit 2019 wurden jetzt aber die ersten Lebensraumverbessernde Maßnahmen im Rahmen des IP-Life Atlantische Sandlandschaften umgesetzt und für die nächsten eineinhalb Jahre ist ein weiteres Projekt zur Bestandserfassung und Lebensraumverbesserung der Schlingnatter beantragt.

Aufschichten von Torfhaufen als Versteck- und Sonnmöglichkeit für Schlingnattern mit der Umwelt AG der Von-Sanden-Schule Lemförde (Foto: Anje Teerling).

Fledermäuse am Dümmer

Seit 2015 führt die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. (NUVD) im Rahmen ihrer Tätigkeit als ökologische Station und zuvor als Kooperationspartner des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Dümmer ein Artenschutzprojekt für Fledermäuse durch.
Dabei sollen vor allem bestandserhaltende und -fördernde Maßnahmen durchgeführt werden.

Alle Fledermausarten in Deutschland gelten als streng geschützt und sind trotzdem auf dem Rückzug, sprich ihre Bestände nehmen ab. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, können aber alle auf die Modernisierung zurückgeführt werden. So sind der Mangel an Höhlen in alten Baumbeständen sowie moderne Isolation an und in Häusern ein wesentlicher Grund für das Verschwinden von Quartieren. Als Insektenfresser stellt auch der Insektizideinsatz und der Verlust von Jagdhabitaten durch das Fehlen strukturreicher Landschaften (Wildblumenwiesen, Hecken, natürliche Ufervegetation) eine Gefährdung für die Artengruppe dar. Ein anderer Faktor ist der Ausbau der Windenergie, manche Fledermausarten gelten als sehr anfällig gegenüber den rotierenden Flügeln und sind somit sehr schlaggefährdet, dabei müssen die Rotoren die Fledermäuse nicht einmal direkt treffen, bereits der erzeugte Druckunterschied sorgt für ein Platzen der Organe. Ein ähnliches Phänomen ist bei manchen Arten auch im Straßenverkehr zu beobachten, auch hier fallen viele Fledermäuse den erzeugten Druckunterschieden bzw. der Kollision zum Opfer.

Erfassung des Artenspektrums:

Der Datenbestand zu den Fledermausvorkommen war bis 2015 bestenfalls lückenhaft, so dass zunächst systematische Kartierungen stattgefunden haben um das Artenspektrum zu ermitteln. Bei den Detektorbegehungen (hierbei werden die Ultraschallrufe der Fledermäuse aufgezeichnet um anschließend eine Artbestimmung durchführen zu können) und dem Netzfang konnten zunächst folgende 11 Arten festgestellt werden:

Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
Großes Mausohr (Myotis myotis)
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
Braunes Langohr (Plecotus auritus)
Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)
Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)
Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
Teichfledermaus (Myotis dasycneme)
Fransenfledermaus (Myotis nattereri)

Fledermäuse in einem künstlichen Spaltenquatier (Foto: Christian Vogel).

Die Erfassung der Fledermausvorkommen dauert weiterhin an, ebenfalls wird in unregelmäßigen Abstand weiterhin der Netzfang erfolgen, dies passiert aber nur in Verbindung mit spezifischen Fragestellungen um unnötigen Stress zu vermeiden.

Bestandsfördernde Maßnahmen:

Zeitgleich mit der Erfassung des Artenspektrums wurde begonnen alte Quartierhilfen rund um den Dümmer aufzusuchen, zu reinigen und ggfs. zu sanieren. Gleichzeitig wurden sie kartografisch erfasst und werden nun ein- bis zweimal jährlich gereinigt.
In den folgenden Jahren wurden weitere Kästen aufgehängt, z.B. für jedermann sichtbar an den Aussichtstürmen rund um den Dümmer. Insgesamt betreut die NUVD über 30 verschiedene Fledermauskästen.

Fledermauskästen am südlichen Aussichtsturm am Dümmer (Foto: Christian Vogel).

Zudem konnte mit finanzieller Hilfe der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung bei der Sanierung eines Hauses in Lemförde, in Absprache mit dem Bauherrn, ein fledermausfreundlicher Dachboden gestaltet werden.
Weitere Quartiermaßnahmen wurden in zwei ungenutzten Trafotürmen, die der AG Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg e.V. gehören, umgesetzt werden. Dort wurden Einfluglöcher erstellt und Versteckmöglichkeiten geschaffen. Beide Trafotürme befinden sich innerhalb der Gemeinde Hüde.

Ungenutzer Traofturm, der zu einem Fledermausquatier umgebaut wurde. Das Einflugloch ist oben zu erahnen (Foto: Christian Vogel).

Eine weitere Möglichkeit für ein Fledermausquartier ergab sich in Lohne-Kroge. Ein alter, verlassener Kartoffelkeller konnte dort ebenfalls zu einem Fledermausquartier umgebaut werden. Eingefasst in einen Komplex aus einem kleinen Wäldchen, einer Rinderweide und Heckenstrukturen, ist hier ein gutes Quartier entstanden.

Der alte Kartoffelkeller von innen mit Hohlbetonsteinen und sägerauen Bretter als Nischenversteck (Foto: Christian Vogel)

Unser letztes Fledermausquatier ist bei der Errichtung eines Animal Inns in Brockum entstanden. In einem alten Feldschuppen wurden extra ein Bereich für die Fledermäuse abgetrennt und hergerichtet, zusätzlich wurden im Außenbereich weitere Fledermauskästen aufgehangen. Dieses Projekt wurde ebenfalls durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gefördert.

Anbau von Hohlbetonsteinen als mögliches Fledermausquatier im Animal Inn (Foto: Anje Teerling).

Da Fledermäuse neue Quartiere bekanntlich nicht sehr gut annehmen und es durchaus 10 Jahre dauern kann, warten wir bei dem ein oder anderem Quartier noch auf unseren ersten Besuch, dies umfasst allerdings in erster Linie einige Fledermauskästen und einen Trafoturm, sowohl der Dachboden und auch der Kartoffelkeller wurden innerhalb kürzigster Zeit angenommen.
Alle Quartiere werden von uns ein- bis zweimal im Jahr aufgesucht, kontrolliert und gereinigt.

Zum Schutz der natürlich vorkommenden Quartiere in den Baumhöhlen im Stemweder Berg haben wir in Zusammenarbeit mit den Lemförder Berginteressenten mehrere Höhlenbäume gekennzeichnet und aus der Nutzung genommen. Denn auch wenn die Bereitstellung künstlicher Quartiere inzwischen eine wichtige Rolle im Fledermausschutz spielt, sollte in erster Linie der Erhalt natürlicher Quartiere ebenso wichtig sein.

Um den Erhalt, bzw. die Schaffung von Jagdhabitaten und der Nahrung der Fledermäuse zu fördern, werden von der NUVD explizit keine Maßnahmen umgesetzt. Allerdings ist die NUVD zusammen mit der AG Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg AG sehr bemüht Hecken Streuobstwiesen und Feldgehölze zu schaffen. Dabei sind inzwischen mehrere Hektar Streuobstwiese und viele Kilometer Hecke zusammengekommen von denen die Fledermäuse stark profitieren, auch wenn diese Maßnahmen in erster Linie Steinkauz, Rebhuhn und anderen Arten der Feldflur gelten.

Ausblick:

In Zukunft soll das Angebot künstlicher Quartiere noch erweitert werden und der Fortbestand natürlicher Quartiere gesichert werden. Dazu soll in diesem Jahr z.B. die Teichfledermaus am Dümmer telemetriert werden. Wir werden sehr gespannt sein, wo sie denn wohnt.

Wer sich für das Thema Fledermäuse tiefergehend interessiert, kann gerne eine unserer Führungen zu dem Thema besuchen. Diese finden am:

Freitag, den 05. Juni 2020 von 20:30 bis 22:00 und
Samstag, den 29. August 2020 von 20:00 bis 21:30

im Stemweder Berg satt. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz an der Haldemer Straße zwischen Stemshorn und Haldem. Die Kosten belaufen sich auf 6,00 € pro Erwachsenen und 3,00 €pro Kind (6-14 Jahre).

Entwicklung und Ausblick der Haubentaucher am Dümmer

Dieser Artikel erschien ebenfalls am 29.01.2020 im Diepholzer Kreisblatt unter der Überschrift: Brutareale für den Haubentaucher entstehen.

Lange Zeit war der Haubentaucher (Podiceps cristatus) der Charaktervogel des Dümmers. Er war sehr zahlreich vertreten und man konnte ihn mühelos auf dem See beobachten. Er war so sinnbildlich, dass sogar in Lemförde eine entsprechende Statue zu finden ist. Heute sind nur noch wenige Haubentaucher auf dem See und auch die Bruten sind deutlich zurück gegangen.

Haubentaucherstatue in Lemförde (Foto: Christian Vogel)

Das war jedoch nicht immer so. In den Archiven des ehemaligen Naturschutzzentrums des Deutschen Bundes für Vogelschutz, welches in den achtziger Jahren am Dümmer betrieben wurde, haben wir die Brutnachweise von 1984 und 1986 gefunden. Damals gab es auf dem See mehrere Kolonien dieser imposanten Vögel.

So wurden 1984 371 Brutnachweise in 41 Kolonien erfasst, das entspricht einem Bestand von mindestens 742 adulten Haubentauchern. Dabei ist in einem Bericht über die Situation des Haubentauchers im Jahr 1984 zu lesen:

„Vom 14. Mai bis zum 02. Juni wurden am gesamten See 371 besetzte Nester registriert. (…) 74 Nester (20%) befanden sich in den Binseninseln, 170 (46%) am Schilfrand oder in einzelnen Schilfinseln und 127 (34%) auf See- und Teichrosen.“

Bereits 1986 stellte sich die Situation schon ganz anders dar. Es wurden lediglich noch 106 Gelege gezählt. Das entspricht in etwa 30 % des Brutbestandes von 1984.

Haubentaucher auf dem Dümmer (Foto: Werner Brinkschröder)

Selbst damals, vor inzwischen mehr als 30 Jahren, war man offensichtlich bereits auf den Rückgang aufmerksam geworden. Heute liegt die Anzahl der Haubentaucherbruten auf dem Dümmer im einstelligen Bereich. In Deutschland gilt der Haubentaucher allerdings als nicht gefährdet. Der Bestand wird aktuell auf 31.000 Tiere geschätzt und gilt als stabil bis leicht ansteigend.

Nun aber zurück zum Dümmer. Im Vergleich zu früher, fehlt dem See heute ein Großteil der wertvollen Pflanzenbestände, die es damals im Dümmer gab. Das sind zum Beispiel die Binsen- und Schilfinseln, Schilfrandbereiche, die im Wasser stehen und auch die Schwimmblattzonen. Somit genau die Bereiche, in denen in den achtziger Jahren die Nester erfasst wurden.

Ein weiteres Problem könnte die Nahrungsverfügbarkeit, also das Vorhandensein von Kleinfisch, sein. Kleinfische und Jungfische sind im Dümmer zur Mangelware geworden, wie verschiedene Bestandserfassungen zeigen. Das flache Wasser des Dümmers und das Fehlen von Versteckmöglichkeiten ermöglichen es insbesondere dem Kormoran, der sich nach seiner Unterschutzstellung stark vermehrt hat und am Dümmer im Winterhalbjahr mit zeitweise über 2.000 Exemplaren vorkommt, den Bestand kleiner Fische, die auch dem Haubentaucher als Nahrung dienen würden, stark zu dezimieren.

Aber es gibt auch Hoffnung. Die NUVD zieht bereits seit 2011 Schilf und Binsen aus lokalen Samen auf, um diese anschließend in eingezäunten Bereichen im See anzupflanzen. So entstehen wieder Schilf- und Binseninseln im Freiwasser. Ebenso werden Schilfgebiete am Randbereich des Dümmers gegen Verbiss durch Säugetiere und Vögel eingezäunt, damit diese wieder bis in tiefere Uferbereiche einwachsen können. Diese Maßnahmen haben zur Folge, dass der Kleinfisch wieder Schutz vor dem Kormoran, der überwiegend im Freiwasser jagt, findet. Am Dümmer selten gewordene Vogelarten wie die Rohrdommel und der Haubentaucher können auch zwischen den Halmen nach Fischen jagen.

Das Nest eines Haubentauchers mit Gelege auf den Teich- und Seerosen im Dümmer (Foto: Werner Brinkschröder)

Erste Untersuchungen zeigen, dass die Fischdichten in den neu angelegten, wasserdurchfluteten Binsen- und Schilfbereichen deutlich höher sind als in den angrenzenden Wasserflächen. Ein zweiter Effekt der angelegten Schilf- und Binseninseln ist, dass dadurch wieder geschützte Brutareale für den Haubentaucher entstehen. Und auch die Rohrdommel und verschiedene Rohrsänger nutzen die neu geschaffenen Strukturen. So bleibt zu hoffen, dass sich der Haubentaucherbestand am Dümmer erholen wird. Vielleicht wird er ja zukünftig wieder zum Charaktervogel des Dümmers.

Text: Christian Vogel

Unser Fischotterprojekt

Der Fischotter (Lutra lutra) hatte es lange Zeit nicht leicht. Es gab Zeiten da war er in ganz Europa verbreitet. Doch Jahrhunderte der Verfolgung durch den Menschen, er wurde vor allem als Konkurrent bei der Nutzung der Fischbestände gesehen, Zerstörung der Lebensräume durch die Kanalisierung und Verrohrung der Flüsse und Bäche, Trockenlegung der Feuchtgebiete und Gewässerverschmutzung ließen den Fischotter in den 70er Jahren fast verschwinden. Erst verschiedene Abkommen: Washingtoner Artenschutzabkommen, Berner Konvention, FFH-Richtlinie, sorgten für einen besseren Schutz des Fischotters und als Folge breitete sich der Fischotter langsam wieder aus. In Deutschland überlebte der Fischotter nur in Gebieten der ehemaligen DDR und mit dem Mauerfall begann auch seine Ausbreitung gen Westen. Langsam aber stetig breitet sich der Fischotter von dort aus.        
In Folge eines Wiederansiedlungsprogramm in den Niederlanden entwickelte sich eine Population die sich auch Richtung Osten ausbreitet. Beide Populationen haben sich bereits im Norden Niedersachsens getroffen und der Siegeszug des Fischotters nach Süden startete.

Am Dümmer gibt es seit über einem Jahrzehnt immer wieder vereinzelte Hinweise auf den Fischotter und so berücksichtigt die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. (NUVD) seit 2012 den Fischotter bei der Umsetzung von Gewässermaßnahmen und wirbt für sogenannte Otterbermen unter Brücken. Seit 2015 wird auf Grund akuter Hinweise eine systematische Erfassung des Fischotters in der Dümmerniederung durchgeführt, zunächst nur am See und südlich davon, ab 2017 dann auch nördlich bis nach Vechta, also im gesamten Betreuungsgebiet der NUVD.

Unsere erste Otterberme an der L853, hier besteht noch Optmierungsbedarf. Es fehlt ein Steg ans Ufer (Foto: Christian Vogel).

Nachdem zunächst zwar unregelmäßig Nachweise des Fischotters anhand von Trittsiegeln (Fußabdrücken) und Losung (Kot) nachgewiesen werden konnten, wurde der Verdacht auf Grund plötzlicher Häufungen von Losungsfunden unter Brücken auf eine Besiedlung durch den Fischotter in der Kartiersaison 2018/2019 tatsächlich bestätigt.

Mitarbeiter der NUVD sind nun von November bis Februar regelmäßig in der Dümmerniederung unterwegs um verschiedene Brücken und andere markante Punkte nach Fischotterlosung zu untersuchen. Die Losung ist zum Glück fast unverwechselbar, da der Fischotter sich in erster Linie von Fisch ernährt und diesen samt Gräten und Schuppen frisst. Dies spiegelt sich dann auch in der Losung anhand eines fischigen Geruchs und dem vorhanden sein der unverdaulichen Schuppen wider.
Um die Losung zu finden sind Brücken mit einem trockenen Bereich, einer sogenannte Berme, optimal, denn genau hier markieren die Fischotter ihre Reviere. So konnten an diversen Brücken entlang der Lohne und entlang des Grabens der Entlastungsschleuse West in den letzten drei Saisons regelmäßig Fischotterlosung gefunden werden und zwar soviel, dass auf eine dauerhafte Ansiedlung im nordwestlichen Dümmer und der Lohne geschlossen werden kann.

Die nachtaktiven Tiere sind zwar nicht menschenscheu, sind dafür Meister der Tarnung. Schwimmt dieses bis zu 1,30 m lange Tier, so schauen nur die Augen und die Nasenlöcher heraus, was sie sehr schwer in der Dunkelheit erkennbar macht. Aufgrund ihres dichten Fells strahlen sie auch nur sehr wenig wärme ab, sodass sie auch von vielen Wildkameras nicht erfasst werden. So ist es uns leider noch nicht gelungen ein lebendes Tier in der Dümmerniederung zu sichten oder zu fotografieren.  
Leider sind bereits im Raum des Landkreises Diepholz sowohl ein Fischotter im Jahre 2018 als auch ein Fischotter im Jahre 2019 im Straßenverkehr ums Leben gekommen. So traurig es doch ist, Verkehrsopfer geben damit aber auch einen Hinweis darauf, dass sich wahrscheinlich mehrere Tiere in diesem Gebiet aufhalten. Der Fischotter ist im Straßenverkehr leider besonders gefährdet.       
Neben Flüssen und Seen nutzt der Fischotter auch gerne Gräben für seine Wanderungen und überall wo er unter einer Brücke oder in einem Rohrdurchlass nicht markieren kann, setzt er seine Markierung auf die Straße, das geht leider nicht immer glimpflich aus.   

Ein Fischotter, der leider als Verkehrsopfer in der Dümmerniederung gefunden wurde (Foto: Udo Effertz).

Aus diesem Grund bemüht sich die NUVD bei entsprechenden wasserbaulichen Vorhaben, wie z.B, Brückensanierungen, dass Otterbermen installiert werden. Das können zum einen Steinschüttungen an den Brückenfundamenten sein, die oberhalb der Wasserkante sind, das können aber auch einfache Holzbretter sein, die als Laufstege fungieren. Beim Neubau der Brücke über die Lohne wurde der Fischotter z.B. bereits berücksichtig und zwar ohne unserem zutun (das ist leider nicht immer so). Zudem sind wir bestrebt bestehende Brücken ebenfalls mit Bermen nachzurüsten, sofern keine vorhanden sind.

Neben der Arbeit im Gelände ist die Aufklärung der Bevölkerung sehr wichtig, der Fischotter ist ein konfliktträchtiges Tier. Neben Zeitungsartikel und Internetbeiträgen auf unseren Webseiten, wurde 2014 an der Naturschutzstation in Hüde eine Ausstellung rund um die Semiaquaten eröffnet. Neben dem Fischotter gibt es hier auch Informationen rund um Biber, Wasserspitzmaus, Nutria und Co., eben zu allen Säugetieren, die sich an den Lebensraum zwischen Wasser und Land angepasst haben.

Präparat in der Semiaquatenausstellung in der Naturschutzstation in Hüde (Foto: Christian Vogel).

Und wer weiß, vielleicht gibt es in gar nicht allzu ferner Zukunft auch endlich ein Bild eines Fischotters vom Dümmer in diesem Blog.

Text: Christian Vogel

Feuersalamander im Stemweder Berg

Eigentlich verbindet man den Feuersalamander (Salamandra salamandra salamandra) gerne mit klaren Bächen, Quellgewässern, großen Gebirgen und Laubwäldern, abgesehen von den Laubwäldern hat der Stemweder Berg davon nicht viel zu bieten. Dem Feuersalamander ist das tatsächlich ziemlich egal. Im adulten Stadium, also ausgewachsen, benötigt der Feuersalamander auch fast keine Gewässer mehr. Dafür bevorzugt er dann die alten Steinbrüche und offenen Kalksandsteinhänge des Stemweder Bergs, den feuchten Laubboden und die störungsfreien Nächte. So ist es auch nicht sehr verwunderlich, dass er hier vorkommt.

Buchenmischwald; Foto: Caroline Poitzsch

Tagsüber verstecken sie sich dann in den Nischen des Kalksandsteins, im Totholz oder unter Baumwurzeln und kommen nachts herauskommen und auf Nahrungssuche gehen. Dann werden vor allem Wirbellosetiere, wie Asseln, Käfer und Schnecken, gefressen.

Die gefleckte Nominatform des Feuersalamanders (Salamandra salamandra salamandra), die einzige. die im Stemweder Berg zu Hause ist; Foto: Christian Vogel

Gewässer werden dennoch für die Geburt der Feuersalamander benötigt. Im Gegensatz zu anderen Amphibien paaren sich die Feuersalamander nicht an den Gewässern, lediglich die Weibchen suchen diese auf um ihre im Körper ausgebrüteten Larven in das Wasser zu setzen. Man spricht von einer sogenannten Ovoviviparie, die Eier werden im Körper der Weibchen ausgebrütet und die Larven anschließend lebend geboren.

Dabei werden durchschnittlich 30 25-35 mm große Larven, selten bis zu 70, innerhalb weniger Tage von einem Weibchen geboren. Je nach Witterungsverhältnissen kann dies bereits im Winter erfolgen, in der Regel aber erst ab Frühlingsbeginn. Für ihre Entwicklung brauchen die Feuersalamanderlarven 2 bis 6 Monate, hierbei ist die Verfügbarkeit von Nahrung, Insektenlarven, ausschlaggebend. Die zunächst schwarzen, kiemenatmenden Larven, die lediglich an den Beinen gelbe Flecken haben, entwickeln sich in dieser Zeit zu den gelbgefleckten Lungenatmer die wir kennen und können dabei bis zu 20 cm erreichen.

12 Feuersalamanderalrven in einem Gewässer, schaut man genau hin sieht man die gelben Flecken an den Beinansätzen; Foto: Christian Vogel

Da der Stemweder Berg nicht gerade für seine Gewässer bekannt ist, werden alle größeren und kleineren Gewässer von den Feuersalamandern genutzt. Um ein paar davon kümmert sich die NUVD, da es sich bei dem Feuersalamander um eine Art nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands handelt.
Diese Gewässer werden regelmäßig auf Feuersalamander und deren Larven kontrolliert. Zudem werden auf der niedersächsischen Seite die Gewässer in unregelmäßigen Abständen gepflegt und für den Feuersalamander optimiert.

Pflegeeinsatz mit der Jugenfeuerwehr Lemförde am Tag der Umwelt; Foto: Christian Vogel

Der Bestand der Feuersalamander scheint dabei stabil zu bleiben, so konnten in den letzten drei Jahren jedes Jahr beim Monitoring mehrere Individuen an den Larvengewässern identifiziert und auch regelmäßig große Ansammlungen von Larven in den Gewässern nachgewiesen werden.
Das sind jetzt keine konkreten Zahlen und das hört sich alles nicht sehr wissenschaftlich an, allerdings bekommt man an den Gewässern auch nur einen kleinen Teil der Population zu sehen.

Für den Feuersalamander sehr gefährlich – Fehlpaarungen von männlichen Kröten können zum ertrinken der Feuersalamander führen; Foto: Christian Vogel

Unsere Aufgaben besteht vielmehr darin, zu kontrollieren, ob die Gewässer angenommen werden und die Larven sich auch entwickeln und das ist jedes Jahr aufs Neue der Fall und freut uns sehr.
Um doch einmal Zahlen zu nennen, wir zählen im gesamten Berg jährlich etwa 40 adulte Feuersalamander an den Laichgewässern bei 4 bis 5 Begehungen (dies speigelt nur einen kleinen Teil der Population wieder) und solange diese Zahl stabil bleibt und wir Larven in den Gewässern finden, gehen wir auch von einer stabilen Population aus. Die genaue Größe kennen wir nicht und können wir auch nicht abschätzen.
Um die Störungen an den Gewässern und Verstecken gering zu halten, streben wir auch kein umfangreicheres Monitoring an.

Text: Christian Vogel