Seminar zur Haaranalyse

Fledermaushaare im Fokus

Am vierten Januarwochenende drehte sich im Biologiezentrum Bustedt alles um ein eher ungewöhnliches, aber äußerst spannendes Thema: Fledermauskot – und das, was man darin findet. Neben Insektenresten standen vor allem Fledermaushaare im Fokus. Ja, richtig gelesen: Haare. Wie andere Säugetiere putzen sich auch Fledermäuse regelmäßig ihr Fell und verschlucken dabei nicht selten einzelne Haare, die später im Kot oder auch im Mulm aus Baumhöhlen wiederzufinden sind.

Fledermauskot liefert nicht nur durch seine Form und Größe Hinweise auf die Art, sondern auch durch die enthaltenen Haare. Diese sind natürlich nicht mit bloßem Auge erkennbar. Zunächst müssen sie unter einem Stereomikroskop sorgfältig aus dem Kot oder Mulm extrahiert und anschließend unter dem Lichtmikroskop untersucht werden, um ihre feinen Strukturen sichtbar zu machen.

Fledermauskot unter dem Stereomikroskop

In dem Seminar, geleitet von Dipl. -Biol. Martin Starrach und Dipl. -Biol. Dorothee Starrach, lernten die rund 25 Teilnehmenden, auf welche Strukturen und Details bei der Bestimmung zu achten ist und wie man eine Vergleichssammlung anlegt. So ist es möglich, auch später zu Hause oder im Büro die Haare sicher zu bestimmen. Gearbeitet wurde unter Anderem mit dem Bestimmungsschlüssel von Ursel Häussler Seite 134 ff aus „Die Fledermäuse Europas: kennen, bestimmen, schützen“ von Christian Dietz und Andreas Kiefer. Es standen Kotproben und Haarpräparate zahlreicher Arten zur Verfügung, sodass alle einen sehr guten Eindruck von der Vielfalt und den oft erstaunlichen Haarstrukturen gewinnen konnten. Denn so einfach, wie es zunächst klingt, ist die Haaranalyse leider nicht: Häufig entscheiden kleinste Details darüber, ob ein Haar eindeutig einer Art zugeordnet werden kann. Besonders die Haarwurzel und -spitze sind entscheidend.

Hier ist der Unterschied von Fledermaushaaren zu anderen Säugetierhaaren erkennbar. Das Haar der Spitzmaus ist markgefüllt, das der Fledermaus nicht.

Für unsere Arbeit hier im Schutzgebiet kann diese störungsarme Methode sehr hilfreich sein. Bei der jährlichen Reinigung der Fledermauskästen findet man meistens in jedem Kasten Kot, oft jedoch ohne eine Fledermaus anzutreffen. Mithilfe der Haaranalyse lässt sich dennoch nachvollziehen, welche Arten die Kästen genutzt haben. Gerade bei den Mausohrarten (Myotis spec.) stößt die Lautanalyse häufig an ihre Grenzen, da viele Arten akustisch nicht immer bis auf Artniveau unterschieden werden können. Die Haaranalyse ermöglicht hier eine eindeutigere Artansprache und liefert damit wertvolle, ergänzende Informationen zur Artzusammensetzung am Dümmer.

Neben dem fachlichen Input überzeugte auch das „Drumherum“. Das Biologiezentrum Bustedt erwies sich als perfekter Ort für ein solches Seminar, um nach den Bestimmungsübungen abends zusammenzukommen, sich auszutauschen, Gleichgesinnte kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Insgesamt war es ein rundum gelungenes Seminar – fachlich wie menschlich. Vielen Dank für die Organisation!

Das Biologiezentrum Bustedt