Frostschaden

Nutrias zählen zu den invasiven Arten und verursachen zahlreiche Schäden. Dies kann Anlagen zum Hochwasserschutz betreffen, die durch die Anlage von Wohnbauen durchlöchert werden und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können, das Abfressen der Über- und Unterwasservegetation in Kleingewässern und damit ihre Entwertung als Lebensraum für Amphibien, Fische und Insekten oder, so wie am Dümmer sehr umfangreich, die Zerstörung der ohnehin stark beeinträchtigten Röhrichtvegetation.

Die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten umfasst auch die Nutria und in vielen Gebieten, so auch am Dümmer, werden Maßnahmen zur Zurückdrängung und bestenfalls lokalen Ausrottung umgesetzt.

Schwierig ist dieses Management insbesondere in der großen, zusammenhängenden Verlandungszone des Dümmers, wo zwischen dem Deich und der Wasserfläche teilweise ein über 500 m breiter Gürtel aus Röhricht, Weidengebüsch und Erlenbruchwald liegt, der in vielen Bereichen zu Fuß kaum begehbar ist. Durch die Verschlammung des Dümmers, die strömungsbedingt insbesondere am Süd- und Westufer stattfindet, ist das Ufer auch per Boot oft kaum erreichbar. Die Bejagung mit Lebendfallen im Uferbereich ist dadurch nur sehr begrenzt möglich.

Nun stammt die Nutria aus Südamerika und ist im Gegensatz zum ebenfalls eingeschleppten, aber aus Nordamerika kommenden Bisam, nicht besonders „winterhart“. Obwohl die Temperaturen in diesem Winter noch nicht extrem niedrig waren, treten bereits erste Erfrierungen auf. Diese zeigen sich meistens zuerst an der Schwanzspitze, von dem bei längerer Frosteinwirkung manchmal nur ein kurzer „Stummel“ übrig bleibt, anschließend auch an den Pfoten.
Können die Nutrias Erdbaue graben, können sie sich zumindest eine Zeit lang vor starker Kälte schützen. Da sie weder Winterschlaf noch Winterruhe halten, müssen sie aber zur Nahrungssuche den Bau regelmäßig verlassen.
In der Verlandungszone des Dümmers können die Nutrias keine Baue graben, sondern leben oberirdisch und können sich nur in der Vegetation verstecken. Hier sind sie der Kälte deutlich mehr ausgesetzt. Die niedrigen Temperaturen, die für die kommenden Tage vorhergesagt sind, dürften also dabei helfen, den Nutriabestand in der Verlandungszone des Dümmers auf natürliche Weise zu reduzieren. Das ist uns einerseits aus naturschutzfachlicher Sicht sehr recht, bedeutet auf der anderen Seite für die Tiere aber sicher auch eine Zeit des Leidens. Der Gedanke daran ist nicht schön, macht aber deutlich, dass die Nutria eigentlich nicht in unsere Gegend gehört und ihre bisherige Ausbreitung nur durch ihr hohes Vermehrungspotenzial und die zuletzt häufig sehr milden Winter möglich war.

Schwanzspitze und Pfote einer Nutria mit Erfrierungen. Normalerweise ist der Schwanz bis zur Spitze behaart und die Pfote schwarz.

Text und Foto: Marcel Holy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert