Extremer Frostschaden

Wir hatten hier ja im Januar bereits darauf hingewiesen, dass die Nutria als aus Südamerika stammende Art nicht gut an Starkfröste angepasst ist. Die Folge sind Erfrierungen, die sich zunächst am Schwanz, aber auch schnell an den unbehaarten Pfoten zeigen. Trotz des dichten Fells kann es auch insgesamt zu körperlicher Auskühlung kommen, wovon große Tiere oder Familienverbände aber sicherlich weniger betroffen sind als versprengte/abgewanderte Jungtiere.
Dies mag einerseits zu unserem Vorteil sein, da die Nutria als gebietsfremde Art ja diverse negative Auswirkungen auf unsere heimischen Ökosysteme hat (hier im Blog vielfach dargestellt) und der Frost ein natürlicher Gegenspieler ihrer Ausbreitung ist, andererseits bedeutet dies für die Tiere aber auch teils extremes Leid. Auch dies ist in der Natur allgegenwärtig, da aber viele Naturdokumentationen, Bildbände etc. dies nicht darstellen, ist der Anblick doch eher ungewohnt.

Ein Exemplar mit besonders krassen Erfrierungen, haben wir gestern in der Feldflur von Lembruch, weit entfernt vom nächsten größeren Gewässer erlegt. Es zeigte keinen Fluchtreflex mehr und war leicht abgemagert. Der Schwanz war völlig abgestorben, aber noch am Körper, die Zehen der Hinterpfoten waren abgefroren und es schauten nur noch Knochenspitzen aus den Ballen und die Vorderpfoten fehlten vollständig.

Wer zartbesaitet ist, sollte sich die folgenden Bilder vielleicht nicht anschauen.

Hinterpfoten
„Reste“ der Vorderpfoten (linke Pfote Bildmitte, rechte am oberen linken Bildrand). Diese beginnen nach dem behaarten Teil der Vorderbeine, sind hier also vollständig verloren gegangen.

Text und Fotos: Marcel Holy

Vorbereitungen im Südlohner Moor

In der vergangenen Woche waren wir im Südlohner Moor unterwegs und haben Künstliche Verstecke für die Schlingnatter-Erfassung ausgebracht. Damit setzen wir die Erfassung aus dem letzten Jahr fort, bei der wir Flächen überprüfen, auf denen wir vor 3 Jahren Lebensraum verbessernde Maßnahmen für die Schlingnatter umgesetzt haben.
Da die Flächen recht strukturreich sind, haben die Schlingnattern auch ohne die Dachpappen genügend Versteckmöglichkeiten. Vielleicht sind ein paar Schlangen trotzdem so nett und lassen sich am KV erwischen.

Nähert man sich dem Südlohner Moor von Osten durch das Aschener Moor, passiert man aktive Torfabbau-Flächen auf der einen Seite des Weges und Renaturierungsflächen verschiedener Entwicklungsstufen auf der anderen Seite. Das ist im dritten Bild zu sehen.

Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Blick in die Pflanzenwelt: Das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) blüht und die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) steht in den Startlöchern.

Rebhuhnkartierung mit dem NDR

Vergangene Woche hat uns Daniel Sprehe vom NDR mit einem Team bei einer Rebhuhnkartierung im Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ begleitet. Den Beitrag, der dabei entstanden ist, könnt ihr euch hier anschauen: NDR-Mediathek

Screenshot

Heckenpflege

Unser Kooperationspartner im Rebhuhnprojekt, die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, veranstaltet am kommenden Donnerstag, dem 19. Februar, einen online-Infoabend zum Thema Heckenpflege.
Hier weitere Infos und der Link zur Teilnahme: https://www.kulturlandschaft.nrw/online-infoabend-heckenpflege/

Wir beginnen übrigens morgen im Rahmen von „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ einen größeren Pflegeeinsatz, über den wir dann hier auch berichten werden.

Der Frühling naht?

Schon seit Montag hält der Storch am Horst in Hüde-Sandbrink Ausschau nach seiner Partnerin und im Ochsenmoor ertönt der Ruf des Brachvogels. Weit kann er doch dann nicht mehr sein, der Frühling. Oder?

Storch in Hüde (Foto: Udo Effertz)
Brachvogel im Ochsenmoor (Foto: Udo Effertz)
Brachvogel im Ochsenmoor (Foto: Udo Effertz)

Seminar zur Haaranalyse

Fledermaushaare im Fokus

Am vierten Januarwochenende drehte sich im Biologiezentrum Bustedt alles um ein eher ungewöhnliches, aber äußerst spannendes Thema: Fledermauskot – und das, was man darin findet. Neben Insektenresten standen vor allem Fledermaushaare im Fokus. Ja, richtig gelesen: Haare. Wie andere Säugetiere putzen sich auch Fledermäuse regelmäßig ihr Fell und verschlucken dabei nicht selten einzelne Haare, die später im Kot oder auch im Mulm aus Baumhöhlen wiederzufinden sind.

Fledermauskot liefert nicht nur durch seine Form und Größe Hinweise auf die Art, sondern auch durch die enthaltenen Haare. Diese sind natürlich nicht mit bloßem Auge erkennbar. Zunächst müssen sie unter einem Stereomikroskop sorgfältig aus dem Kot oder Mulm extrahiert und anschließend unter dem Lichtmikroskop untersucht werden, um ihre feinen Strukturen sichtbar zu machen.

Fledermauskot unter dem Stereomikroskop

In dem Seminar, geleitet von Dipl. -Biol. Martin Starrach und Dipl. -Biol. Dorothee Starrach, lernten die rund 25 Teilnehmenden, auf welche Strukturen und Details bei der Bestimmung zu achten ist und wie man eine Vergleichssammlung anlegt. So ist es möglich, auch später zu Hause oder im Büro die Haare sicher zu bestimmen. Gearbeitet wurde unter Anderem mit dem Bestimmungsschlüssel von Ursel Häussler Seite 134 ff aus „Die Fledermäuse Europas: kennen, bestimmen, schützen“ von Christian Dietz und Andreas Kiefer. Es standen Kotproben und Haarpräparate zahlreicher Arten zur Verfügung, sodass alle einen sehr guten Eindruck von der Vielfalt und den oft erstaunlichen Haarstrukturen gewinnen konnten. Denn so einfach, wie es zunächst klingt, ist die Haaranalyse leider nicht: Häufig entscheiden kleinste Details darüber, ob ein Haar eindeutig einer Art zugeordnet werden kann. Besonders die Haarwurzel und -spitze sind entscheidend.

Hier ist der Unterschied von Fledermaushaaren zu anderen Säugetierhaaren erkennbar. Das Haar der Spitzmaus ist markgefüllt, das der Fledermaus nicht.

Für unsere Arbeit hier im Schutzgebiet kann diese störungsarme Methode sehr hilfreich sein. Bei der jährlichen Reinigung der Fledermauskästen findet man meistens in jedem Kasten Kot, oft jedoch ohne eine Fledermaus anzutreffen. Mithilfe der Haaranalyse lässt sich dennoch nachvollziehen, welche Arten die Kästen genutzt haben. Gerade bei den Mausohrarten (Myotis spec.) stößt die Lautanalyse häufig an ihre Grenzen, da viele Arten akustisch nicht immer bis auf Artniveau unterschieden werden können. Die Haaranalyse ermöglicht hier eine eindeutigere Artansprache und liefert damit wertvolle, ergänzende Informationen zur Artzusammensetzung am Dümmer.

Neben dem fachlichen Input überzeugte auch das „Drumherum“. Das Biologiezentrum Bustedt erwies sich als perfekter Ort für ein solches Seminar, um nach den Bestimmungsübungen abends zusammenzukommen, sich auszutauschen, Gleichgesinnte kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Insgesamt war es ein rundum gelungenes Seminar – fachlich wie menschlich. Vielen Dank für die Organisation!

Das Biologiezentrum Bustedt

Sumpfohreule

Mit dem Vorhaben nach Sumpfohreulen (Asio flammeus) Ausschau zu halten, ist Udo Effertz, unser 1. Vorsitzender, letzte Woche durchs Ochsenmoor gefahren. Und er ist fündig geworden. Etwas verschwommen ist die Eule zwar auf den Fotos, aber dennoch sehr schön anzusehen.

Sumpfohreulen sind Teilzieher. Es gibt also Individuen, die im Brutgebiet den Winter verbringen, während andere kurze Strecken ziehen. Sumpfohreulen, die am Dümmer im Winter beobachtet werden, können also Tiere sein, die auch im Gebiet brüten oder Wintergäste aus Skandinavien oder Russland.

Wenn der Regen ausbleibt: Wassermangel im Ochsenmoor

Nachdem in den Jahren 2023 und 2024 die Niederschläge weit über dem Durchschnitt lagen und der Dümmerpegel anstieg, fiel im gesamten letzten Jahr gerade mal 80% der durchschnittlichen Regenmenge. Besonders der trockene Frühling und der milde Herbst sorgten dafür, dass es jetzt rund um den See an Wasser fehlt. Die großen Feuchtwiesen im Ochsenmoor und deren Bewohner sind allerdings auf diese Regenfälle angewiesen. Besonders für die vielen Limikolen bieten die weiten Offenflächen essenzielle Brutgebiete und durch den weichen Boden das richtige Nahrungsangebot – ein Zustand, der nur durch die jährliche Überflutung der Wiesen besteht. Um ihren Lebensraum zu erhalten, können die Wiesen mithilfe von Stauanlagen in den Gräben gezielt geflutet werden, sodass sogar artspezifische Habitate geschaffen werden können. Möglich ist dies natürlich nur, wenn der Wasserstand hoch genug ist. In der Regel kommt das in den Sommermonaten verdunstete Wasser im Winter wieder zurück, sodass im zeitigen Frühjahr mit den höchsten Wasserständen des Jahres zu rechnen ist. Da die Niederschläge aber lange ausgeblieben sind, ist der Zielzustand für diese Jahreszeit noch nicht erreicht. Die Schneemengen der letzen Woche waren zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Vergleichsfotos vom 18. Januar 2022 und 19. Januar 2026, die an demselben Standort aufgenommen wurden, zeigen einen deutlichen Unterschied:

Mitte Januar 2022: das Wasser stand bis zum Rand des Grabens (Foto: C. Poitzsch)
Mitte Januar 2026: Das Wasser stand deutlich unterhalb der Grabenoberkante (Foto: M. Holy)

An ein paar Stellen waren bereits vor dem Schnee die ersten Flächen allerdings schon wieder überschwemmt und beherbergen zurzeit große Entenscharen. Verbunden mit dem Schnee ist das ein schöner Anblick, der die Vorfreude auf ein hoffentlich bald überflutetes Ochsenmoor und seine Bewohner weckt.

Drohnenaufnahme des Ochsenmoors vom 19. Januar 2026 (Foto: M Holy)

Beitrag von Nils Herms, Schülerpraktikant bei der NUVD.

Frostschaden

Nutrias zählen zu den invasiven Arten und verursachen zahlreiche Schäden. Dies kann Anlagen zum Hochwasserschutz betreffen, die durch die Anlage von Wohnbauen durchlöchert werden und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können, das Abfressen der Über- und Unterwasservegetation in Kleingewässern und damit ihre Entwertung als Lebensraum für Amphibien, Fische und Insekten oder, so wie am Dümmer sehr umfangreich, die Zerstörung der ohnehin stark beeinträchtigten Röhrichtvegetation.

Die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten umfasst auch die Nutria und in vielen Gebieten, so auch am Dümmer, werden Maßnahmen zur Zurückdrängung und bestenfalls lokalen Ausrottung umgesetzt.

Schwierig ist dieses Management insbesondere in der großen, zusammenhängenden Verlandungszone des Dümmers, wo zwischen dem Deich und der Wasserfläche teilweise ein über 500 m breiter Gürtel aus Röhricht, Weidengebüsch und Erlenbruchwald liegt, der in vielen Bereichen zu Fuß kaum begehbar ist. Durch die Verschlammung des Dümmers, die strömungsbedingt insbesondere am Süd- und Westufer stattfindet, ist das Ufer auch per Boot oft kaum erreichbar. Die Bejagung mit Lebendfallen im Uferbereich ist dadurch nur sehr begrenzt möglich.

Nun stammt die Nutria aus Südamerika und ist im Gegensatz zum ebenfalls eingeschleppten, aber aus Nordamerika kommenden Bisam, nicht besonders „winterhart“. Obwohl die Temperaturen in diesem Winter noch nicht extrem niedrig waren, treten bereits erste Erfrierungen auf. Diese zeigen sich meistens zuerst an der Schwanzspitze, von dem bei längerer Frosteinwirkung manchmal nur ein kurzer „Stummel“ übrig bleibt, anschließend auch an den Pfoten.
Können die Nutrias Erdbaue graben, können sie sich zumindest eine Zeit lang vor starker Kälte schützen. Da sie weder Winterschlaf noch Winterruhe halten, müssen sie aber zur Nahrungssuche den Bau regelmäßig verlassen.
In der Verlandungszone des Dümmers können die Nutrias keine Baue graben, sondern leben oberirdisch und können sich nur in der Vegetation verstecken. Hier sind sie der Kälte deutlich mehr ausgesetzt. Die niedrigen Temperaturen, die für die kommenden Tage vorhergesagt sind, dürften also dabei helfen, den Nutriabestand in der Verlandungszone des Dümmers auf natürliche Weise zu reduzieren. Das ist uns einerseits aus naturschutzfachlicher Sicht sehr recht, bedeutet auf der anderen Seite für die Tiere aber sicher auch eine Zeit des Leidens. Der Gedanke daran ist nicht schön, macht aber deutlich, dass die Nutria eigentlich nicht in unsere Gegend gehört und ihre bisherige Ausbreitung nur durch ihr hohes Vermehrungspotenzial und die zuletzt häufig sehr milden Winter möglich war.

Schwanzspitze und Pfote einer Nutria mit Erfrierungen. Normalerweise ist der Schwanz bis zur Spitze behaart und die Pfote schwarz.

Text und Foto: Marcel Holy