Es gibt was zu entdecken

Wer sich die Mühe macht und die Trupps von Gänsen, Enten und Möwen auf den Flächen – beispielsweise im Ochsenmoor – genauer durchscannt – hat durchaus die Chance, Arten zu entdecken, die hier eher seltener angetroffen werden können. Eine dieser Arten ist die Rothalsgans, die, trotz ihrer eigentlich recht auffälligen Färbung, in einem Trupp Bläss-, Grau- oder Weißwangengänse nicht unbedingt direkt ins Auge sticht.

Rothalsgans zwischen Blässgänsen (Foto: W. Brinkschröder)
Rothalsgans zwischen Blässgänsen (Foto: W. Brinkschröder)

Wer sich mit Möwen auskennt, kann hier einige unterschiedliche Arten feststellen. Zum Beispiel Steppenmöwen in Jugendkleidern verschiedener Kalenderjahre oder auch Adulte. Viel Spaß dabei!

Unbestimmte Großmöwe, evtl. Steppenmöwe, immatur (Foto: W. Brinkschröder)

Kinderleicht eindeutig identifizierbar sind dagegen Moorfroschmännchen in ihrem Balz-Outfit. Denn wer sonst ist so schön blau?

Moorfroschpaar (Foto: W. Brinkschröder)

Ochsenmoor füllt sich

Wie jedes Jahr um diese Zeit können wir nun wieder berichten: Es ist wieder was los im Ochsenmoor. Nachdem Brachvogel und Uferschnepfe schon seit Februar zurück sind, können inzwischen auch Rotschenkel, Kampfläufer und Austernfischer wieder beobachtet werden. Und natürlich viiiele Enten. Schaut doch mal nach, was ihr alles entdeckt im Ochsenmoor! 🙂

Uferschnepfen im Ochsenmoor (Foto: Udo Effertz)
Rotschenkel im Ochsenmoor (Foto: Udo Effertz)

Der Frühling naht?

Schon seit Montag hält der Storch am Horst in Hüde-Sandbrink Ausschau nach seiner Partnerin und im Ochsenmoor ertönt der Ruf des Brachvogels. Weit kann er doch dann nicht mehr sein, der Frühling. Oder?

Storch in Hüde (Foto: Udo Effertz)
Brachvogel im Ochsenmoor (Foto: Udo Effertz)
Brachvogel im Ochsenmoor (Foto: Udo Effertz)

Sumpfohreule

Mit dem Vorhaben nach Sumpfohreulen (Asio flammeus) Ausschau zu halten, ist Udo Effertz, unser 1. Vorsitzender, letzte Woche durchs Ochsenmoor gefahren. Und er ist fündig geworden. Etwas verschwommen ist die Eule zwar auf den Fotos, aber dennoch sehr schön anzusehen.

Sumpfohreulen sind Teilzieher. Es gibt also Individuen, die im Brutgebiet den Winter verbringen, während andere kurze Strecken ziehen. Sumpfohreulen, die am Dümmer im Winter beobachtet werden, können also Tiere sein, die auch im Gebiet brüten oder Wintergäste aus Skandinavien oder Russland.

Mäuseweisheit

Wir wünschen allen Leser*innen ein gesundes neues Jahr!
Herr Winkhardt hat zum Jahreswechsel auf seiner Terrasse eine Beobachtung gemacht, die er uns und der Leser*innenschaft für das neue Jahr mit auf den Weg geben möchte:

Unsere Terrassenmaus zeigt uns,
in bedrohlichen Situationen helfen oft
Gelassenheit und Augenmaß


Wir danken der Maus, räumen die Falle wieder ab und wünschen ihr ein gutes neues Jahr. 😉

Bartmeisen – gern gesehene Gäste

Aktuell sind am Dümmer Bartmeisen aufgrund der Zugzeit in größerer Anzahl unterwegs und auch auffälliger für den Beobachter. Passend dazu hat uns Dr. Hans-Joachim Winkhardt Fotos und Text geschickt. Vielen Dank dafür!

Bartmeisen leben in ausgedehnten Schilfflächen. Sie ernähren sich im Sommer hauptsächlich von Insekten und Spinnen, im Winter von Sämereien. Dabei halten sie sich praktisch ausschließlich im Schilf auf. Aufgrund der Spezialisierung wechseln ihre Bestände oft sprunghaft; das heißt, starke Vermehrung und Zusammenbruch von Populationen können abwechselnd auftreten.

Am Dümmer brüten sie erst seit wenigen Jahrzehnten in geringer Anzahl (4 Brutpaare 2024) [Quelle: Naturschutzring Dümmer e.V., keine gezielte Erfassung der Bartmeise im weitläufigen Schilfbestand, Anm. d. Red.]. In „Die Vogelwelt des Dümmer-Gebietes“ 1959 werden sie noch nicht erwähnt, nicht einmal als Durchzügler. Inzwischen erleben wir im Herbst immer wieder Gast-Besuche der hübschen Vögel in größerer Anzahl.

Die Männchen tragen kräftige Bartkoteletten, die Weibchen zartes Understatement. Es sind lebhafte und kommunikationsfreudige Vögel, denen man gern zusieht.

Die Fotos entstanden an der Weser. Wie der Fotograf ganz treffend anmerkte, kann man sich bei der Betrachtung einen kleinen nonverbalen Dialog vorstellen.

Männliche Bartmeise
Weibliche Bartmeise
Männliche Bartmeise
Weibliche Bartmeise
Männliche Bartmeise

Text und Fotos: Dr. Hans-Joachim Winkhardt

Mit Kescher, Lupe und Linsensuppe – unterwegs auf Wildbienensuche

Ende Juni machte ich mich auf den Weg zu einem Wildbienenseminar in die Lüneburger Heide. Ich war sehr gespannt, welche Wildbienen ich dort antreffe und mit welchem Wissen im Gepäck ich wiederkommen werde. Nach einer erstaunlich reibungslosen Anreise mit der Deutschen Bahn am Freitagvormittag ging es direkt los: Eine kurze Vorstellungsrunde stimmte uns auf das Thema und auf die spannende Welt der Hymenopteren, also Bienen, Wespen und Ameisen ein. Wobei der Fokus natürlich auf den Bienen lag. Nach einer leckeren und stärkenden Portion Linsensuppe machten wir uns auf ins Gelände.

Mit Keschern und Exhaustor ausgerüstet, fuhren wir zu einer großen Obstbaumwiese des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide e.V. (VNP). Dort startete die Erfassung: Nach kurzer Erklärung der Methode machten wir uns auf die Suche nach unseren ersten Wildbienenarten. Die gefangenen Tiere wurden in Röhrchen mit Schaumstoffverschluss gesammelt und in der Runde herumgereicht – so konnten wir gemeinsam Merkmale vergleichen und erste Bestimmungen vornehmen. Die Tiere wurden nach der Beobachtung natürlich wieder freigelassen.

Harzbiene

Unter den Funden waren verschiedene Hummelarten wie Acker-, Stein- und Erdhummel, aber auch Hosen-, Düster- und Furchenbienen. Am Insektenhotel auf der Wiese war reges Treiben zu beobachten – und auch einige parasitär lebende Arten konnten entdeckt werden. In der Runde wurde zudem besprochen, was ein gutes Insektenhotel ausmacht – und was nicht. Eine wichtige Erkenntnis: Ein Insektenhotel allein reicht nicht. Ohne passende Nahrungsquellen und Nistmaterial in der Umgebung wird es von Wildbienen kaum genutzt.

Am Nachmittag ging es ans Bestimmen unter dem Binokular. Mit Hilfe von Fachliteratur, Bestimmungsschlüsseln und bereitgestellten Präparaten tasteten wir uns auf Gattungsebene an die Arten heran. Viel Input, viel Konzentration – aber auch viele Aha-Momente.

Tag zwei: Mit geschärftem Blick in die Heide

Nach einem reichhaltigen Frühstück auf der Terrasse packten wir Kescher und Lunchpakete ein und machten uns auf in die Heide. Auch hier wurde gesucht, gesammelt, verglichen und bestimmt. Dieses Mal fanden wir unter anderem Blattschneider-, Harz- und Schenkelbienen.

Blattschneiderbiene

Beim Mittagessen im idyllischen Teegarten von Wilsede konnten wir bereits mit geschulterem Blick die eine oder andere interessante Art entdecken – darunter die Gartenwollbiene.

Gartenwollbiene

Zurück in der Unterkunft ging es weiter mit spannenden Einblicken in die Taxonomie und Ökologie der einzelnen Wildbienen-Gattungen. Danach: freies Bestimmen auf Artebene für alle, die Lust hatten – mit wachsender Sicherheit und Begeisterung.

Der Abend führte uns erneut in die Heide, dieses Mal zu einer großen Sanddüne. Mit Einbruch der Dunkelheit begann unsere Nachtexkursion. Wir hörten den Ziegenmelker am Waldrand, Wachtel und Rebhuhn in der Nähe – und entdeckten schließlich die erste kleine Kreuzkröte. Auch einige Nachtfalter und weitere Kröten kreuzten unseren Weg. Ein rundum stimmungsvolles Naturerlebnis.

Schenkelbiene

Letzter Tag: Pferde, Sand und viele Bienen

Am Sonntagvormittag besuchten wir eine Feuchtwiese mit südexponiertem Sandhang, auf der Dülmener Pferde weideten. Auch hier gab es reichlich zu entdecken: Blattschneider-, Hosen- und Maskenbienen, dazu Sandwespen und Blutbienen.

Nach einem gemeinsamen Reste-Mittagessen nutzten wir die verbleibende Zeit, um letzte Arten zu bestimmen – bevor es dann ans Kofferpacken und an die Abreise ging.

Maskenbiene

Fazit: Die Hosenbienen haben mein Herz erobert

Den verschiedenen Wildbienenarten so nah zu sein und die vielen kleinen Details zu sehen war sehr erstaunlich und interessant. Das Seminar war fachlich fundiert, abwechslungsreich und wahnsinnig lehrreich. Ich fühle mich nun gewappnet, die nächste Wildbiene nicht nur zu bestaunen, sondern ihr vielleicht sogar einen Namen zu geben – oder zumindest ihre Gattung zu erkennen. Ein großes Lob an den Referenten Frederik Roth und die Organisation des VNP! Durch das KNAK-Projekt wird Artenwissen auf moderne, lebendige Weise vermittelt – und plötzlich wirkt Artenkenntnis nicht mehr trocken, sondern spannend und praxisnah. Ich bin gespannt, was ich demnächst alles vor meiner Tür auffinden kann! Und ich hoffe sehr, dass sich eine Hosenbiene auffindet, die finde ich nämlich besonders hübsch.

Hosenbiene