Extremer Frostschaden

Wir hatten hier ja im Januar bereits darauf hingewiesen, dass die Nutria als aus Südamerika stammende Art nicht gut an Starkfröste angepasst ist. Die Folge sind Erfrierungen, die sich zunächst am Schwanz, aber auch schnell an den unbehaarten Pfoten zeigen. Trotz des dichten Fells kann es auch insgesamt zu körperlicher Auskühlung kommen, wovon große Tiere oder Familienverbände aber sicherlich weniger betroffen sind als versprengte/abgewanderte Jungtiere.
Dies mag einerseits zu unserem Vorteil sein, da die Nutria als gebietsfremde Art ja diverse negative Auswirkungen auf unsere heimischen Ökosysteme hat (hier im Blog vielfach dargestellt) und der Frost ein natürlicher Gegenspieler ihrer Ausbreitung ist, andererseits bedeutet dies für die Tiere aber auch teils extremes Leid. Auch dies ist in der Natur allgegenwärtig, da aber viele Naturdokumentationen, Bildbände etc. dies nicht darstellen, ist der Anblick doch eher ungewohnt.

Ein Exemplar mit besonders krassen Erfrierungen, haben wir gestern in der Feldflur von Lembruch, weit entfernt vom nächsten größeren Gewässer erlegt. Es zeigte keinen Fluchtreflex mehr und war leicht abgemagert. Der Schwanz war völlig abgestorben, aber noch am Körper, die Zehen der Hinterpfoten waren abgefroren und es schauten nur noch Knochenspitzen aus den Ballen und die Vorderpfoten fehlten vollständig.

Wer zartbesaitet ist, sollte sich die folgenden Bilder vielleicht nicht anschauen.

Hinterpfoten
„Reste“ der Vorderpfoten (linke Pfote Bildmitte, rechte am oberen linken Bildrand). Diese beginnen nach dem behaarten Teil der Vorderbeine, sind hier also vollständig verloren gegangen.

Text und Fotos: Marcel Holy

Heckenpflege

Unser Kooperationspartner im Rebhuhnprojekt, die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, veranstaltet am kommenden Donnerstag, dem 19. Februar, einen online-Infoabend zum Thema Heckenpflege.
Hier weitere Infos und der Link zur Teilnahme: https://www.kulturlandschaft.nrw/online-infoabend-heckenpflege/

Wir beginnen übrigens morgen im Rahmen von „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ einen größeren Pflegeeinsatz, über den wir dann hier auch berichten werden.

Frostschaden

Nutrias zählen zu den invasiven Arten und verursachen zahlreiche Schäden. Dies kann Anlagen zum Hochwasserschutz betreffen, die durch die Anlage von Wohnbauen durchlöchert werden und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können, das Abfressen der Über- und Unterwasservegetation in Kleingewässern und damit ihre Entwertung als Lebensraum für Amphibien, Fische und Insekten oder, so wie am Dümmer sehr umfangreich, die Zerstörung der ohnehin stark beeinträchtigten Röhrichtvegetation.

Die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten umfasst auch die Nutria und in vielen Gebieten, so auch am Dümmer, werden Maßnahmen zur Zurückdrängung und bestenfalls lokalen Ausrottung umgesetzt.

Schwierig ist dieses Management insbesondere in der großen, zusammenhängenden Verlandungszone des Dümmers, wo zwischen dem Deich und der Wasserfläche teilweise ein über 500 m breiter Gürtel aus Röhricht, Weidengebüsch und Erlenbruchwald liegt, der in vielen Bereichen zu Fuß kaum begehbar ist. Durch die Verschlammung des Dümmers, die strömungsbedingt insbesondere am Süd- und Westufer stattfindet, ist das Ufer auch per Boot oft kaum erreichbar. Die Bejagung mit Lebendfallen im Uferbereich ist dadurch nur sehr begrenzt möglich.

Nun stammt die Nutria aus Südamerika und ist im Gegensatz zum ebenfalls eingeschleppten, aber aus Nordamerika kommenden Bisam, nicht besonders „winterhart“. Obwohl die Temperaturen in diesem Winter noch nicht extrem niedrig waren, treten bereits erste Erfrierungen auf. Diese zeigen sich meistens zuerst an der Schwanzspitze, von dem bei längerer Frosteinwirkung manchmal nur ein kurzer „Stummel“ übrig bleibt, anschließend auch an den Pfoten.
Können die Nutrias Erdbaue graben, können sie sich zumindest eine Zeit lang vor starker Kälte schützen. Da sie weder Winterschlaf noch Winterruhe halten, müssen sie aber zur Nahrungssuche den Bau regelmäßig verlassen.
In der Verlandungszone des Dümmers können die Nutrias keine Baue graben, sondern leben oberirdisch und können sich nur in der Vegetation verstecken. Hier sind sie der Kälte deutlich mehr ausgesetzt. Die niedrigen Temperaturen, die für die kommenden Tage vorhergesagt sind, dürften also dabei helfen, den Nutriabestand in der Verlandungszone des Dümmers auf natürliche Weise zu reduzieren. Das ist uns einerseits aus naturschutzfachlicher Sicht sehr recht, bedeutet auf der anderen Seite für die Tiere aber sicher auch eine Zeit des Leidens. Der Gedanke daran ist nicht schön, macht aber deutlich, dass die Nutria eigentlich nicht in unsere Gegend gehört und ihre bisherige Ausbreitung nur durch ihr hohes Vermehrungspotenzial und die zuletzt häufig sehr milden Winter möglich war.

Schwanzspitze und Pfote einer Nutria mit Erfrierungen. Normalerweise ist der Schwanz bis zur Spitze behaart und die Pfote schwarz.

Text und Foto: Marcel Holy

Spätsommer

Viele kennen sicherlich solche Morgende, die sich anders anfühlen, wenn man vor die Tür tritt. Heute war so einer.
Die Fotos verdeutlichen hoffentlich diesen Eindruck, dass der Hochsommer sich – trotz der zuletzt noch sehr warmen Tage – so langsam dem Ende entgegen neigt.

Marcel Holy

Bibernachwuchs

Diesen von den anwesenden Menschen völlig unbeeindruckten Jungbiber konnte Michaela Köhr-Eickhoff im Nordosten des Dümmers in einem Segelhafen filmen.
Ob er wohl eher aus dem Vorkommen im Bereich der Hunteeinmündung in den Dümmer oder aus dem in der Lohne kommt..?!

Video: Michaela Köhr-Eickhoff

Behörden für Rebhühner

Neben den Beiträgen zu „Landwirten für Rebhühner“ hier noch ein Beispiel für die Unterstützung unseres Rebhuhnprojekts durch die Geschäftsstelle Sulingen des Amts für regionale Landesentwicklung Leine-Weser. Diese hat uns den Standort einer abgerissenen Hofstelle zur Verfügung gestellt, um dort bis zur Weiterverwendung des Grundstücks eine Blühfläche einzusäen.
Das war garnicht so einfach, da die Fläche zum Teil mit dem beim Abriss entstandenen Bauschutt und Recyclingschotter aufgefüllt wurde. Somit blieb nur die (mehrfache) Handeinsaat, die nun aber zu einer sehr hübsch anzusehenden Vegetation geführt hat. Durch die unterschiedlichen Strukturen mit mal mehr und mal weniger stark schotterhaltigem Untergrund, ist die Vegetation auch nicht zu dicht und zu wüchsig, sodass sie optimale Bedingungen für Rebhühner bietet.

Und was uns besonders freut; die Rebhühner haben das erkannt und nutzen die Fläche. Hier ein Video mit einem Rebhuhnpaar, aufgenommen auf der Rückseite der Fläche.

Vielen Dank also für die erfolgreiche Unterstützung des Projekts!

Text, Foto und Video: Marcel Holy

Aus dem Wattenmeer an den Dümmer

Nein, es geht nicht um Vögel, sondern um Vogelschützer.
Kürzlich hatten wir eine Delegation aus dem LIFE-Projekt Wadden Sea Birds zu Gast.
Projektpartner sind dabei die dänische Gemeinde Tønder, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, die Dänische Naturstiftung sowie die dänische Nationalparkverwaltung Wattenmeer und die Naturagentur Wattenmeer.
Nach einem Einführungsvortrag ging es raus ins Ochsenmoor, wo dann begleitet von Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe und Bekassine Themen wie Wiedervernässung, Grünlandnutzung, Lebensraumoptimierung und Prädatorenmanagement vorgestellt und diskutiert wurden.
Nach dem Tag am Dümmer hat die Truppe dann noch einen weiteren Tag im Bremer Blockland verbracht.

Ein schöner Tag für alle Beteiligten!


Foto: John Frikke