Gerippter Brachkäfer

Von einem allabendlichen Schauspiel berichtete Udo Effertz letzte Woche Folgendes:

Zwischen 21:30 Uhr und 22:00 Uhr sammeln sich jeden Abend die Lachmöwen auf der Pferdeweide und warten darauf,  dass das Schwärmen losgeht. In der Dämmerung fängt der „Gerippte Brachkäfer“, im Volksmund auch Junikäfer genannt, in großen Schwärmen an zu fliegen. Der Junikäfer ähnelt sehr dem Maikäfer, ist aber nur 14-18 Millimeter groß und trotzdem ein gutes Abendessen für die Möwen.

Text und Fotos: U. Effertz

Ornithologische Gedanken zur Zeit

von Herbert Zucchi

Kackt uns ein Vogel auf den Kopf,
ist es wohl nie ein Wiedehopf,
denn diese Spezies ist sehr rar.
Das heißt, dass es ein andrer war.
Noch seltener sind blaue Racken,
sodass auch die uns nicht bekacken.
Im Küstenraum, das ist gewiss,
trifft uns am ehsten Möwenschiss,
und in der Stadt schmückt unsre Haube
schonmal die Scheiße einer Taube.
Ein kleiner Klecks auf unsrer Jacke
ist rein statistisch Spatzenkacke,
auch von ’ner Meise könnt er sein,
denn ihre Kleckse sind sehr klein.
Doch wenn er etwas größer war,
dann stammt er wohl von einem Star.
Würd es die Vögel nicht mehr geben,
wär vogelkackefrei das Leben,
doch möcht die Vögel ich nicht missen –
sonst wärn wir wirklich angeschissen!

In Anlehnung an den gestrigen Beitrag war dies nun eine andere Annäherung an das Thema Scheiße. Das Gedicht wurde im Juli/August 2021 in der 92. Ausgabe des Osnabrücker Stadtteilmagazins „Wüstenwind“ veröffentlicht.

Der Verfasser Prof. Dr. Herbert Zucchi lehrt und forscht an der Hochschule Osnabrück als Professor für Zoologie / Tierökologie / Umweltbildung. Er hat in Marburg Biologie studiert und dort auch promoviert.

Alles Scheiße oder Gut Dung will Weile haben

Es mag für unsereins vielleicht etwas unappetitlich sein, aber eine Vielzahl von Organismen – unter ihnen hunderte Insektenarten – ernähren sich von Mist. Und wenn die Insekten etwas zu fressen finden, freuen sich auch die Vögel. Hier ein paar Zahlen zum Thema:

Ein Pferd produziert täglich 15 bis 23 kg Pferdeäpfel. Erst nach mehr als 48 Stunden verlässt das, was ein Pferd frisst, den Darm.

Ein Rind lässt pro Tag 8 bis 10 Kuhfladen fallen. Ein Kuhfladen wiegt bis zu 2 kg und bietet Nahrung für mehr als 1000 Insekten.

Laut Untersuchungen aus England liefert ein rund 600 kg schweres Rind mehr als elf Tonnen Dung im Laufe eines Jahres auf der Weidefläche. Dieser Dung soll durch 120 kg Insektenlarven genutzt werden.

2019 konnten 3,6 Millionen Rinder in Deutschland auf Weiden grasen. Das entspricht 31 % aller in Deutschland gehaltenen Rinder. Seit 2010 zeigt sich ein Rückgang der Weidehaltung, da damals noch 37 % der Rinder zumindest zeitweise die Möglichkeit zum Weidegang hatten. In Niedersachsen, dem Bundesland mit dem nach Bayern zweitgrößten Rinderbestand, konnten 34 % der Rinder die Weide nutzen.

Eine einzelne Schwalbe fängt in der Brutzeit pro Tag bis zu 2000 Insekten.

Text: U. Effertz mit C. Poitzsch

Exkursion ins Revier der Feuersalamander

Die AG Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg e.V. (AG Eulenschutz) feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass gibt es verschiedene Veranstaltungen, die Einblicke in die Tätigkeitsfelder und das Projektgebiet der Arbeitsgemeinschaft geben.

Feuersalamander (Foto: C. Vogel)

Am Samstag, dem 14.5.2022 bietet Uta Lansing aus Dielingen eine Exkursion zum Thema Feuersalamander an. Die Diplom-Biologin betreut seit mehreren Jahren in Kooperation mit der AG Eulenschutz sowie der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. (NUVD) die Gewässer im Stemweder Berg und führt ein Monitoring des Feuersalamanders und anderer Amphibien durch. Da es nur wenige Vorkommen des schwarz-gelben Salamanders in unserer Region gibt und die Art zudem durch ihre unauffällige Lebensweise den meisten Naturfreunden verborgen bleibt, erwarten die Teilnehmer spannende Einblicke in die Lebensweise, die Bestandssituation, Bedrohungen und Schutzmaßnahmen. Die Veranstaltung richtet sich besonders an Kinder und Jugendliche, ggf. auch in Begleitung der Eltern. Je nach Anzahl der Anmeldungen, können jedoch auch Erwachsene ohne Kinder teilnehmen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Die Veranstaltung ist kostenlos und dauert ca. 2 Stunden.

Treffpunkt ist am 14.5.2022 um 10 Uhr am Wanderparkplatz an der Haldemer Straße zwischen Stemshorn und Haldem.

Anmeldung bitte per Email an info@nuvd.de.

Wildbienen

Ulrich Krause hat uns Bilder „seiner“ Wildbienen geschickt und schreibt dazu: „Unsere Mauerbienen haben die Sonne in Quernheim Ende März sehr genossen. Am liebsten scheinen sie den Bambus als ‚Bruthilfe‘ zu mögen.“

Alle Fotos: Ulrich Krause

Übrigens sind Mauerbienen vollkommen ungefährlich. Sie sind sehr friedlich und der kleine Stachel der Weibchen ist so weich, dass er nicht in unsere Haut eindringen kann.

Wer Nisthilfen für Insekten im Garten aufstellen möchte, sollte sich vorher gut über geeignete Modelle und Materialien informieren. Nicht jedes „Insektenhotel“, das im Handel erhältlich ist, eignet sich als Brutplatz. Zum Beispiel dürfen die Röhren für die Eiablage keine Risse und Splitter aufweisen. Die Bienenweibchen nutzen sie sonst nicht, da sie sich die Flügel daran verletzen könnten und die Brut nicht richtig geschützt ist. Informationen gibt es zum Beispiel unter: https://www.wildbienen.info/artenschutz/nisthilfen_01.php

Ein Löffler aus Südfrankreich am Dümmer

Seit etwa Mitte September ist in den Feuchtbiotopen am Dümmer nahezu regelmäßig ein Löffler zu beoachten. Dieser Vogel mit völlig weißem Gefieder,  der auf den ersten Blick einem Silberreiher ähnelt, hat jedoch einen breiten löffelartigen Schnabel, daher auch seine Bezeichnung. Die Nahrungssuche dieser Vögel erfolgt durch das sogenannte Seihen, der Schnabel wird durch das Wasser hin und her bewegt und dabei werden kleine Organismen aufgenommen. Löffler halten sich vorwiegend in Uferzonen oder Flachwasserbereichen auf. Im Dümmer-Gebiet wurden Löffler bisher nur gelegentlich beobachtet. Das Brutgebiet der Löffler war ursprünglich der Süden Europas (Österreich, Ungarn und Spanien). Um 1950 wurde die Art auch Brutvogel in den Niederlanden und seit ca. 25 Jahren sind Löffler regelmäßige Brutvögel an der deutschen Nordseeküste. Dort ist der Bestand nahezu kontinuierlich angestiegen und umfasste 2019 ca. 1000 Paare. 2020 ging der Bestand – wahrscheinlich aufgrund der Trockenheit und möglicherweise auch durch Verluste von Prädatoren – vorübergehend zurück.

Der am Dümmer anzutreffende Vogel ist mit einem weißen Farbring und der Codierung „A 16 S“ ausgestattet.  Verschiedene Recherchen zum Beringungsort des Vogels führten inzwischen zum Erfolg. Der Löffler wurde als Jungvogel am 1. 6. 21 in Südfrankreich im Bereich der Carmargue / Montpellier beringt. Warum der Vogel zu dieser Jahreszeit die beachtliche Strecke von über 1000 km in nördliche Richtung zurückgelegt hat, lässt sich natürlich nicht beurteilen. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich der Vogel weiterhin am Dümmer aufhält und ob er auch in anderen Regionen gesehen wird.

Löffler mit Fabring in Gesellschaft mit einem Kormoran.

Text und Foto: Werner Brinkschröder

Sänger im Rohr

An der Hohen Sieben konnten wir in einer unserer eingezäunten Versuchsflächen einen Drosselrohrsänger nachweisen.
Auch in den Vorjahren zeigte sich, dass insbesondere die weit in den See entwickelten Röhrichte vom größten unserer mitteleuropäischen Rohrsänger angenommen werden.
In der Einzäunung wachsen die Halme ohne Fraßschäden auf und können sich seewärts in tieferes Wasser ausbreiten, wie hier dargestellt.

Tierseuchen

Eine unserer Aufgaben ist die Unterstützung der öffentlichen Verwaltungen beim Tierseuchenmonitoring.
So sammeln wir beispielsweise Vogelkadaver für Untersuchungen auf die aviäre Influenza (Vogelgrippe) ein und beproben aufgefundene Wildschweinkadaver sowie alle im Rahmen der regulären Jagdausübung im Schutzgebiet erlegten Wildschweine auf die Europäische und die Afrikanische Schweinepest.
Je nach Frischegrad aufgefundener Kadaver ist das zwar manchmal keine besonders appetitliche, aber dennoch eine notwendige Aufgabe.

Toter Jungschwan im Dümmerlohauser Moor.

Text und Bild: Marcel Holy