Röhrichtrückgang

Im Frühjahr 2016 haben wir begonnen, Schilfbereiche mit Zäunen vor Verbiss zu schützen, da vorhergehende Erfassungen die Bedeutung dieses Einflussfaktors zeigten.
Zur Einzäunung werden dünne Sechseckgeflechte verwendet, die zwar Tiere vom Schilf fernhalten, andere Einflüsse wie Wellengang, nährstoffreiches Wasser oder Verdriftung von Schlamm jedoch nicht beeinflussen.
Die Dokumentation der eingezäunten und angrenzenden Bereiche erfolgt vom Boden mittels Fotos und Messung der Wassertiefen, in die sich das Schilf ausbreitet, sowie über senkrechte Drohnenaufnahmen aus der Luft.

Im Zuge von Arbeiten an der Hohen Sieben entstanden an einer dortigen Versuchsfläche heute zwei Fotos, die eindrucksvoll die enorme Veränderung inner- bzw. außerhalb des Zauns belegen. Der Zaun musste seit der Errichtung im Mai 2016 aufgrund der Ausbreitung des Schilfs weiter nach vorne gebaut werden. Um den Einfluss des Faktors Verbiss sowie das Ausbreitungspotenzial des Schilfs weiter zu belegen, haben wir anschließend auf einem Teilstück der Zaunfront einen weiteren Bereich eingezäunt, den das Schilf ebenfalls besiedelt hat. An den Seiten des Anbaus wurde es hingegen abgefressen.
Außerhalb des Zauns gab es nicht nur keine Ausbreitung, sondern der ursprüngliche Bestand ging deutlich zurück.

Der Abstand zwischen den äußersten Trieben im eingezäunten Bereich und der angrenzenden, ungeschützten Schilfkante beträgt rund 10 Meter! Dieser Unterschied entstand in nur 4 Jahren.

Das Schilf innerhalb des Zauns ist auf der gesamten Uferstrecke das einzige, das noch im Wasser steht. Die Wassertiefe beträgt im angebauten Zaunbereich rund 20 cm. Bei dem momentanen Winterwasserstand von 36,80 cm bedeutet dies, dass das Schilf im Sommerhalbjahr bis zu 60 cm tief im Wasser steht. Diese aquatischen Bestände sind das Ziel der Schutzbemühungen und besonders wertvoll für das Ökosystem Dümmer.
Außerhalb des Zauns steht das Schilf beim aktuellen Winterwasserstand vollständig auf dem Trockenen. Es ist deutlich sichtbar, dass der Wasserspiegel weit unterhalb der Schilfkante liegt. Somit ist der Wasserstand im Schilf auch bei 40 cm höherem Einstau im Sommer deutlich niedriger als innerhalb des eingezäunten Bereichs.
Die Drohnenaufnahme vom 16.5.2016 zeigt, dass zum Beginn der Einzäunung die Schilfkante auf einer Höhe verlief.
Am 21.6.2016 sind bereits deutliche Unterschiede durch den Verbiss des Schilfs zu sehen. Am Schilf sind Graugänse zu erkennen.
Diese Foto vom 4.6.2020 zeigt im Hintergrund den eingezäunten Schilfbereich am Ufer und im Vordergrund eine ebenfalls durch einen Zaun vor Verbiss geschützte Schilfanpflanzung im Freiwasser. Die beiden geschützten Bereiche sind die einzigen, in denen noch grüne Schilfhalme zu finden sind – alle anderen wurden abgefressen.
Die Drohnenaufnahme vom 14.9.2020 zeigt den deutlichen Unterschied zwischen dem geschützen und ungeschützen Schilf sowie die weitere Ausbreitung nach vorne nur innerhalb des erweiterten Zaunstücks.

Text und Fotos: Marcel Holy

Der Birder-Tannenbaum

Natürlich wäre das mit Wurzeln noch perfekter und doch erfüllt dieser geschlagene Tannenbaum einen guten Zweck. Die großen Zapfen sind Maiskolben mit ihren Kelchblättern. Umgekehrt hingehangen und mit einem feinen Blumendraht fest gemacht an den Zweigen. Sie zieren den Baum und dienen gleichzeitig der heimischen Vogelwelt als Nahrung. In den ersten Stunden konnte ich in unserem Bauerngarten schon einige interessierte Gäste beobachten: Blaumeisen, Kohlmeisen, Sumpfmeisen, Goldammern, Feldsperlinge, Grün- und Buchfinken, Amseln und ein leicht verdutzter Buntspecht inspizierten die Lage. Bei kälteren Temperaturen werden sich Bergfinken und Kernbeisser dazu gesellen. Heckenbraunellen und Rotkehlchen erwiesen dem Baum ihre Ehre und erkannten, dass es nichts für ihre feinen Schnäbel ist.

Text und Foto: Jürgen Richter

(wieder) Wolf im Dümmer

Die in diesem Beitrag beschriebene Situation hat sich mit ziemlich genau zwei Jahren Abstand wiederholt.
Wir haben in der Verlandungszone am Westufer des Dümmers eine Wildkamera, die wir nun nach längerer Zeit ausgelesen haben. Dabei wurden wir wieder von zwei Wolfsaufnahmen überrascht. Diese stammen zwar schon aus dem November 2019, sind aber dennoch ein interessanter Nachweis.
Ob es sich um den selben Wolf handelt, der bei Tag und in der Nacht fotografiert wurde, oder ob es zwei unterschiedliche Individuen sind, ist nicht sicher zu sagen.

Text und Fotos: M. Holy

Borkenkäfer

Borkenkäfer können eigentlich nur in kranke, geschwächte und sterbende Bäume (meist Fichten) eindringen und dort gute Brutbedingungen vorfinden. Unter bestimmten Bedingungen, z. B. nach Stürmen mit extremen Windwurfereignissen oder langen Sommertrockenheiten, kann es jedoch zu einer Massenvermehrung (Kalamität) kommen. Dem dann möglichen Massenangriff können selbst gesunde und vitale Bäume oft nicht standhalten und sterben ab. Die vergangenen trockenen Sommer sorgten also für optimale Verhältnisse für den Borkenkäfer und das besonders in Nadelholzreinbeständen.

Fraßbild und Larven des Buchdruckers unter der Rinde einer Fichte. Der Buchdrucker ist die für Fichten gefährlichste Borkenkäferart. Der Name leitet sich vom Fraßbild ab, es soll an die beschriebenen Seiten eines aufgeschlagenen Buches erinnern. (Foto: C. Poitzsch)

2020 weisen die Fichten in Niedersachsen mit 13,6 % wiederholt den höchsten Anteil starker Schäden auf. Die Fichten liegen auch bei der Absterberate (4,6 %) und bei der Ausfallrate (22,4 %) vorn. Mit Ausnahme der Eichen hat sich jedoch der Vitalitätszustand aller Baumartengruppen verschlechtert. Weitere Informationen können dem Waldzustandsbericht Niedersachsen 2020 entnommen werden (https://www.ml.niedersachsen.de/startseite/themen/wald_holz_jagd/wald_und_forstwirtschaft/zustand-des-niedersaechsischen-waldes-waldschaeden-und-risiken-5181.html)

Winterwasserstand

Jedes Jahr zum 1. November wird der Wasserstand des Dümmers von 37,20 m auf 36,80 m ü. NN abgesenkt, um mehr Stauvolumen für Hochwasserfälle zu haben. Aufgrund der normalen Niederschlagssituation liegt der Wasserstand momentan ziemlich genau auf Sollhöhe.
Zahlreichen Vogelarten kommt das sehr gelegen. Limikolen können beispielsweise trockene bzw. schlammige Ufer zur Rast oder Nahrungssuche nutzen. Flachwasserzonen dienen anderen Arten zur Jagd auf Fische und weitere Organismen oder als sichere Schlafplätze.

Die ohnehin spärlichen Röhrichtbestände liegen nun trocken oder stehen nur noch ganz flach unter Wasser. Den fehlenden Schutz durch aquatische Röhrichte kann man seit Jahren am Fischbestand des Dümmers ablesen. Über den Winter wird dieser von Fischfressern wie Grau- und Silberreihern, Haubentauchern, Gänsesägern und Kormoranen stark ausgelichtet.

Mit verschiedenen Untersuchungen und Maßnahmen versuchen wir das Röhricht so weit auszudehnen, dass größere, wasserdurchflutete Bereiche entstehen und so das Verhältnis zwischen Räuber und Beute ausgeglichener wird und auch neue Lebensräume für Röhrichtvögel wie die Rohrdommel und den Drosselrohrsänger entstehen.

Gründelnde Enten und im Stehen ruhende Gänse.
Am Schilf im Hintergrund lässt sich ablesen, wie weit der Wasserstand gegenüber dem Sommerniveau abgesenkt wurde. Den Enten kommt das sehr entgegen…

M. Holy

Reich gedeckter Tisch 2

Hier nochmal ein paar Eindrücke von weiter stromaufwärts am Marler Graben.

Die Lachmöwen haben die Fische bis zum Baumbestand hochgetrieben. Da die Möwen Abstand zu den Bäumen halten, sind die Fische hier dicht gedrängt. Wer sich aus dem Schutz der Bäume wagt, hat aufgrund des flachen Wassers allerdings schlechte Karten…
Jeder Punkt ist ein aus dem Wasser ragendes Fischmaul.
Bei den Fischen handelt es sich überwiegend um junge Rotaugen (Plötzen) und eine geringe Anzahl junger Brassen.
Das Video zeigt, wie dicht die Fische beieinander stehen.

Heute Morgen waren die Fische übrigens nicht mehr da.

Fotos und Video: Marcel Holy