Wenn der Regen ausbleibt: Wassermangel im Ochsenmoor

Nachdem in den Jahren 2023 und 2024 die Niederschläge weit über dem Durchschnitt lagen und der Dümmerpegel anstieg, fiel im gesamten letzten Jahr gerade mal 80% der durchschnittlichen Regenmenge. Besonders der trockene Frühling und der milde Herbst sorgten dafür, dass es jetzt rund um den See an Wasser fehlt. Die großen Feuchtwiesen im Ochsenmoor und deren Bewohner sind allerdings auf diese Regenfälle angewiesen. Besonders für die vielen Limikolen bieten die weiten Offenflächen essenzielle Brutgebiete und durch den weichen Boden das richtige Nahrungsangebot – ein Zustand, der nur durch die jährliche Überflutung der Wiesen besteht. Um ihren Lebensraum zu erhalten, können die Wiesen mithilfe von Stauanlagen in den Gräben gezielt geflutet werden, sodass sogar artspezifische Habitate geschaffen werden können. Möglich ist dies natürlich nur, wenn der Wasserstand hoch genug ist. In der Regel kommt das in den Sommermonaten verdunstete Wasser im Winter wieder zurück, sodass im zeitigen Frühjahr mit den höchsten Wasserständen des Jahres zu rechnen ist. Da die Niederschläge aber lange ausgeblieben sind, ist der Zielzustand für diese Jahreszeit noch nicht erreicht. Die Schneemengen der letzen Woche waren zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Vergleichsfotos vom 18. Januar 2022 und 19. Januar 2026, die an demselben Standort aufgenommen wurden, zeigen einen deutlichen Unterschied:

Mitte Januar 2022: das Wasser stand bis zum Rand des Grabens (Foto: C. Poitzsch)
Mitte Januar 2026: Das Wasser stand deutlich unterhalb der Grabenoberkante (Foto: M. Holy)

An ein paar Stellen waren bereits vor dem Schnee die ersten Flächen allerdings schon wieder überschwemmt und beherbergen zurzeit große Entenscharen. Verbunden mit dem Schnee ist das ein schöner Anblick, der die Vorfreude auf ein hoffentlich bald überflutetes Ochsenmoor und seine Bewohner weckt.

Drohnenaufnahme des Ochsenmoors vom 19. Januar 2026 (Foto: M Holy)

Beitrag von Nils Herms, Schülerpraktikant bei der NUVD.

Frostschaden

Nutrias zählen zu den invasiven Arten und verursachen zahlreiche Schäden. Dies kann Anlagen zum Hochwasserschutz betreffen, die durch die Anlage von Wohnbauen durchlöchert werden und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können, das Abfressen der Über- und Unterwasservegetation in Kleingewässern und damit ihre Entwertung als Lebensraum für Amphibien, Fische und Insekten oder, so wie am Dümmer sehr umfangreich, die Zerstörung der ohnehin stark beeinträchtigten Röhrichtvegetation.

Die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten umfasst auch die Nutria und in vielen Gebieten, so auch am Dümmer, werden Maßnahmen zur Zurückdrängung und bestenfalls lokalen Ausrottung umgesetzt.

Schwierig ist dieses Management insbesondere in der großen, zusammenhängenden Verlandungszone des Dümmers, wo zwischen dem Deich und der Wasserfläche teilweise ein über 500 m breiter Gürtel aus Röhricht, Weidengebüsch und Erlenbruchwald liegt, der in vielen Bereichen zu Fuß kaum begehbar ist. Durch die Verschlammung des Dümmers, die strömungsbedingt insbesondere am Süd- und Westufer stattfindet, ist das Ufer auch per Boot oft kaum erreichbar. Die Bejagung mit Lebendfallen im Uferbereich ist dadurch nur sehr begrenzt möglich.

Nun stammt die Nutria aus Südamerika und ist im Gegensatz zum ebenfalls eingeschleppten, aber aus Nordamerika kommenden Bisam, nicht besonders „winterhart“. Obwohl die Temperaturen in diesem Winter noch nicht extrem niedrig waren, treten bereits erste Erfrierungen auf. Diese zeigen sich meistens zuerst an der Schwanzspitze, von dem bei längerer Frosteinwirkung manchmal nur ein kurzer „Stummel“ übrig bleibt, anschließend auch an den Pfoten.
Können die Nutrias Erdbaue graben, können sie sich zumindest eine Zeit lang vor starker Kälte schützen. Da sie weder Winterschlaf noch Winterruhe halten, müssen sie aber zur Nahrungssuche den Bau regelmäßig verlassen.
In der Verlandungszone des Dümmers können die Nutrias keine Baue graben, sondern leben oberirdisch und können sich nur in der Vegetation verstecken. Hier sind sie der Kälte deutlich mehr ausgesetzt. Die niedrigen Temperaturen, die für die kommenden Tage vorhergesagt sind, dürften also dabei helfen, den Nutriabestand in der Verlandungszone des Dümmers auf natürliche Weise zu reduzieren. Das ist uns einerseits aus naturschutzfachlicher Sicht sehr recht, bedeutet auf der anderen Seite für die Tiere aber sicher auch eine Zeit des Leidens. Der Gedanke daran ist nicht schön, macht aber deutlich, dass die Nutria eigentlich nicht in unsere Gegend gehört und ihre bisherige Ausbreitung nur durch ihr hohes Vermehrungspotenzial und die zuletzt häufig sehr milden Winter möglich war.

Schwanzspitze und Pfote einer Nutria mit Erfrierungen. Normalerweise ist der Schwanz bis zur Spitze behaart und die Pfote schwarz.

Text und Foto: Marcel Holy

Mäuseweisheit

Wir wünschen allen Leser*innen ein gesundes neues Jahr!
Herr Winkhardt hat zum Jahreswechsel auf seiner Terrasse eine Beobachtung gemacht, die er uns und der Leser*innenschaft für das neue Jahr mit auf den Weg geben möchte:

Unsere Terrassenmaus zeigt uns,
in bedrohlichen Situationen helfen oft
Gelassenheit und Augenmaß


Wir danken der Maus, räumen die Falle wieder ab und wünschen ihr ein gutes neues Jahr. 😉

Uferschnepfe ‚Werner‘

Dies ist zwar kein aktueller Beobachtungshinweis, aber dennoch ein Tipp für alle interessierten Uferschnepfenfreund*innen:
Auf der Homepage des LIFE-Projekts „Godwit Flyway“ werden in unregelmäßigen Abständen Updates aus dem Leben einer farbeberingten und besenderten Uferschnepfe gegeben. Die Uferschnepfe bekam Ringe und GPS-Sender im Mai 2024 im EU-Vogelschutzgebiet Unterelbe verpasst und wurde auf den Namen Werner getauft.
Im März 2025 kehrte Werner zur Unterelbe zurück und besetzte dasselbe Revier wie im Jahr zuvor. Informationen zu seiner Reise und dazu wie die Brutzeit für ihn verlief, können auf der Projektseite nachgelesen werden.

‚Werner‘ kurz nach seiner Beringung und Besenderung. Er hat die international geltende und individuelle Farbkombination YGY/GMR erhalten. Dabei wird das linke Bein immer zuerst abgelesen: yellow-green-yellow (gelb-grün-gelb). Und rechts: green-metal-red (grün-Metall-rot). Auf dem Metall-Ring am rechten Tarsus befindet sich ein individueller Code der die Markierungszentrale bezeichnet und eine Meldung des Vogels im Falle einer Bergung ermöglicht. Foto: NLWKN

Aktuell befindet sich Werner im nördlichen Grenzbereich des Senegals, nachdem er zuvor einige Zeit in Gambia verbracht hat. Dies ist dank des GPS-Senders und Global Flyway Network gut nachzuvollziehen.

Danke schön!

Als Dankeschön für das Engagement im Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ in der Dümmerregion haben wir die teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe im November zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen.

Der Lankreis Minden-Lübbecke hat ein lobendes Grußwort gehalten und um weitere Beteiligung am Vertragsnaturschutz geworben.

Bei gutem Essen und geselligem Austausch konnten wir einen schönen Abend verbringen, der bei allen Beteiligten sicherlich für Motivation für das kommende Jahr gesorgt hat.

Lebensraumgestaltung in Lembruch

Auf einem Grundstück in Lembruch haben wir gemeinsam mit dem Eigentümer seit Jahresanfang verschiedene Maßnahmen zur Gestaltung und Aufwertung des Lebensraums für Insekten, Amphibien, Kleinsäuger und Vögel geplant. Da für die Umgestaltung eines Uferabschnittes zur Flachwasserzone und die Anlage eines Amphibiengewässers wasserrechtliche Anträge gestellt und genehmigt werden mussten, hat es ein bisschen gedauert, bis wir loslegen konnten. Lediglich das extensive Grünland konnte bereits im Frühjahr mit Regiosaatgut angesät werden.
Ende Oktober durfte der Bagger nun endlich zur Tat schreiten, das Ufer des bestehenden Gewässers abflachen und das Amphibiengewässer ausheben.

Drohnenaufnahme: Marcel Holy

Im November sollen nun schließlich eine Wildstrauchhecke und eine Reihe aus Obstbäumen gepflanzt werden, um das Ensemble zu vervollständigen.

Finanziert wird das Projekt von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung und der AG Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg e.V. Vielen Dank dafür!

Bartmeisen – gern gesehene Gäste

Aktuell sind am Dümmer Bartmeisen aufgrund der Zugzeit in größerer Anzahl unterwegs und auch auffälliger für den Beobachter. Passend dazu hat uns Dr. Hans-Joachim Winkhardt Fotos und Text geschickt. Vielen Dank dafür!

Bartmeisen leben in ausgedehnten Schilfflächen. Sie ernähren sich im Sommer hauptsächlich von Insekten und Spinnen, im Winter von Sämereien. Dabei halten sie sich praktisch ausschließlich im Schilf auf. Aufgrund der Spezialisierung wechseln ihre Bestände oft sprunghaft; das heißt, starke Vermehrung und Zusammenbruch von Populationen können abwechselnd auftreten.

Am Dümmer brüten sie erst seit wenigen Jahrzehnten in geringer Anzahl (4 Brutpaare 2024) [Quelle: Naturschutzring Dümmer e.V., keine gezielte Erfassung der Bartmeise im weitläufigen Schilfbestand, Anm. d. Red.]. In „Die Vogelwelt des Dümmer-Gebietes“ 1959 werden sie noch nicht erwähnt, nicht einmal als Durchzügler. Inzwischen erleben wir im Herbst immer wieder Gast-Besuche der hübschen Vögel in größerer Anzahl.

Die Männchen tragen kräftige Bartkoteletten, die Weibchen zartes Understatement. Es sind lebhafte und kommunikationsfreudige Vögel, denen man gern zusieht.

Die Fotos entstanden an der Weser. Wie der Fotograf ganz treffend anmerkte, kann man sich bei der Betrachtung einen kleinen nonverbalen Dialog vorstellen.

Männliche Bartmeise
Weibliche Bartmeise
Männliche Bartmeise
Weibliche Bartmeise
Männliche Bartmeise

Text und Fotos: Dr. Hans-Joachim Winkhardt

Brutfloß überwintert an Land

Letzte Woche haben wir gemeinsam mit Mitarbeitern des HKS Kieswerks Schwegermoor das Brutfloß für den Winter an Land geholt.
Die vielen Nilgänse und andere Wasservögel, die sich am Abbaugewässer aufhalten, sollen das Floß nicht zu sehr für sich beanspruchen und verunreinigen.
Im Frühjahr werden wir das Brutfloß dann wieder zu Wasser lassen.
Flussseeschwalben haben die schwimmende Nisthilfe übrigens in diesem Jahr noch nicht besiedelt. Einige Flussuferläufer haben es sich aber schon genauer angesehen.

Mitarbeiter des Kieswerks bergen das Brutfloß aus dem Abbaugewässer. (Foto: Jessica Schrader)
Fehlt nur noch die Plane – das Brutfloß überwintert an Land. (Foto: Jessica Schrader)
Flussseeschwalben haben das Brutfloß noch nicht für sich entdeckt, aber Flussuferläufer haben es sich schon einige Male genauer angesehen. (Wildkameraaufnahme)