Nach den vielen Niederschlägen der letzten Wochen ist das Ochsenmoor großflächig überflutet und der Dümmer hat mit einem Wasserstand von 37,50 m ü. NN bereits 30 cm mehr Wasser als für den Sommer vorgesehen ist und 70 cm mehr gegenüber dem planmäßigen Winterwasserstand. Zusammen mit den Stürmen der letzten Tagen führte dies sogar zu ersten Schäden am Deich. Zum Vergleich noch zwei Aufnahmen aus dem Sommerhalbjahr 2018.
Marler Graben (Foto: W. Brinkschröder)Schaden am Deich an der Hohen Sieben. Fotos: M. Holy, außer Sommerfoto Marler Graben von Werner Brinkschröder
Hier ein Auszug zur Phänologie aus Wikipedia: Der Phänologische Kalender bestimmt das tatsächliche Eintreten des Vegetationsbeginns im Jahr. Um das messen zu können, bestimmt man Zeigerpflanzen und/oder charakteristisches Tierverhalten, über das man statistisch das Fortschreiten von Süd nach Nord ermitteln kann (Isochronenmodell), und wie weit das Jahr vor Ort im Vergleich zu anderen fortgeschritten ist. Der Erstfrühling als Phänologische Jahreszeit beginnt in Mitteleuropa um Anfang April, in höheren Lagen und Breiten auch viel später. Er äußert sich in der Blüte des Buschwindröschens, des Löwenzahns und der Forsythie, später von Schlehdorn und Ahorn, Vogel-(Wild-)Kirsche.
Die beiden Fotos wurden heute am Stemweder Berg aufgenommen.
Der Arche-Hof Rolfes in Steinfeld ist für die NUVD ein wichtiger Kooperationspartner in Sachen Hochmoorschutz. Durch eine extensive Beweidung verhindert Uwe Rolfes mit seinen Schafen die Verbuschung der Moorflächen und diese Kooperation wollen wir nun ausweiten.
Nach dem Ende des Torfabbaus
werden die jeweiligen Flächen vernässt, um die Entwicklung einer moortypischen
Flora und Fauna zu ermöglichen. Idealerweise verläuft diese Entwicklung von
großen Flachwasserzonen über flutende Torfmoosrasen zu Gesellschaften aus z.B.
Torfmoosen, Wollgras, weißem Schnabelried, Moosbeere, Rosmarin- und
Glockenheide. Jedes Entwicklungsstadium dient einer Vielzahl von Vogelarten,
Insekten und Amphibien als Lebensraum.
Eine Ausprägung der Hochmoore kommt dabei unter den aktuellen Bedingungen jedoch zu kurz. Die „halbtrockenen“ Lebensräume werden immer seltener. Das sind Flächen, die von einem Übergang zwischen Glocken- und Besenheide, dem „fleischfressenden“ Sonnentau, Bulttorfmoosen, Gagelstrauch und Krüppelkiefern, geprägt sind. Es sind höher gelegene Flächen, die in den Kernbereichen der Hochmoore bereits überwiegend abgetorft sind und in den Randlagen aufgrund der Entwässerung immer mehr verbuschen und so zu Moor(birken)wäldern werden. Die beschriebene typische Vegetation wird so verdrängt. Und auch hochgradig gefährdete Vogelarten wie der Raubwürger und der Ziegenmelker, Reptilien wie Schlingnatter und Kreuzotter und viele Schmetterlinge, Laufkäfer und andere Insekten finden keinen geeigneten Lebensraum mehr vor. Hier werden nun die Schafe wichtig! Sie arbeiten als Naturschützer und fressen gegen die Verbuschung an.
Links beweidet, rechts unbeweidet
Nicht zu vergessen ist dabei die
Rolle von Mooren als CO2-Speicher. Trocknen sie aus, wird CO2
freigesetzt. Bäume und Sträucher unterstützen diesen Prozess zusätzlich. Die
Schafe sind also nicht nur Natur- sondern auch Klimaschützer.
Im Ostteil der Diepholzer
Moorniederung gibt es aus diesem Grund fünf Landschaftspflegeschäfereien, die
Flächen im Hochmoor beweiden. Bei uns im Westteil gibt es keine solche
Einrichtung. In Kooperation der NUVD übernimmt Uwe Rolfes Aufgaben einer
Landschaftspflegeschäferei und stellt sich den schwierigen Bedingungen des
Hochmoors. Die Schafe müssen nicht nur sehr genügsam sein, um mit dem
nährstoffarmen Futter der Moorböden auszukommen, sie müssen auch, besonders in
wiedervernässten Bereichen, mit der Nässe zurechtkommen. Die eingesetzten alten
Landschafrassen sind an diese Bedingungen angepasst.
Allerdings erbringen sie
dadurch nur geringe Fleischzuwächse und aus dem Verkauf von Fleisch und
verarbeiteten Produkten kann nur ein geringer Beitrag zur Refinanzierung des
Einsatzes erzielt werden.
Eine zusätzliche
Herausforderung ist die Anwesenheit des Wolfes im Gebiet. Die Kosten für das
Material einer wolfssicheren Umzäunung werden zwar erstattet, das Errichten
eines solchen Zaunes ist aber ungemein zeitaufwändig und arbeitsintensiv.
In den notwendigen Ausbau
der Stallkapazität und die Verbesserung der Ausstattung des Betriebs ist
bereits einiges an Eigenkapital eingeflossen.
Damit der Arche-Hof Rolfes zu einer funktionsfähigen Landschaftspflegeschäferei werden und sein Engagement für den Naturschutz aufrechterhalten kann, haben wir nun ein Online Fundraising bei der kostenlosen Plattform betterplace.org gestartet. Vielleicht habt ihr ja Lust, einmal unser betterplace-Profil anzuschauen oder sogar eine Spende dazulassen. Das würde uns wahnsinnig freuen! Unser Profil findet ihr hier: www.betterplace.org/p76968
Hier ein Foto, das am Tag vor dem Sturm und der damit einhergehenden Überstauung weiter Teile des Ochsenmoors aufgenommen wurde. Durch die milde Witterung wächst das Grünland schon ganz rege – sehr zur Freude von Enten und Gänsen, für die die frischen Triebe absolute Leckerbissen sind.
An der großen Wasserfläche im zentralen Ochsenmoor (Vernässungspolder oder Ochsenmoorpolder genannt), war am Freitag ein großer Kiebitzschwarm beim Einflug zu beobachten.
In den letzten beiden Jahren wurden am Dümmer im Rahmen des LIFE-Projekts „Wiesenvögel“ Uferschnepfen mit Satellitensendern ausgestattet, um ihre Zugwege verfolgen zu können. Wer also wissen möchte, wann mit der Ankunft der Vögel am Dümmer zu rechnen ist, findet auf dieser Seite Informationen über die aktuellen Aufenthaltsorte der besenderten Exemplare. Aber wer weiß, vielleicht ist ja schon ein unbesenderter Vogel seinen „überwachten“ Kameraden voraus…
Sicher mögen wir wohl alle Sonnenschein lieber als Regen, aber die ergiebigen Niederschläge der letzten Tage waren bitter nötig, um das in den beiden letzten Jahren verloren gegangene Wasser wieder zurückzubringen.
Im Ochsenmoor stehen immer mehr Flächen unter Wasser, sodass in der anstehenden Brutzeit hoffentlich die Ansprüche aller Arten erfüllt werden können. Von den offenen Wasserflächen, in denen die Uferschnepfen sich nach der Rückkehr aus Afrika zunächst mit Wasser bis zum Bauch Brutkondition „anfressen“ können, über die nassen Bereiche, in denen sich Kampfläufer zur Nahrungsuche und zu ersten Balzkämpfen einfinden werden, über die feuchten Bereiche, in denen später die Uferschnepfen brüten werden bis hin zu den schon etwas trockeneren Randbereichen, in denen die Brachvögel ihre Reviere besetzen werden. Wenn in diesem Frühjahr die Niederschläge nicht wieder ausbleiben, bleibt es hoffentlich lange genug feucht, damit die Küken von Kiebitzen und Rotschenkeln ausgedehnte Schlammbereiche zur Nahrungssuche finden. Und mit etwas Glück lässt sich dort auch die eine oder andere Seltenheit aus der Familie der Watvögel beobachten. Also, hoffen wir das Beste für die kommenden Monate…
An der Straße „Zum Fischerhafen“ in Hüde ist zur Zeit ein Waldohreulen-Schlafplatz. Wie die Menge an Kot und Gewölle unschwer erkennen lässt, halten sich hier mehrere Eulen auf. Gestern waren insgesamt 11 Vögel im Efeu auszumachen.