Funde im Hochmoor

Ein neuer Kartierdurchgang im Hochmoor bringt meist auch neue „Entdeckungen“ mit sich. Da es in der Kartierung um die Erfassung von Schlingnattern geht, ist es erfreulich, dass zu diesen Entdeckungen auch eine Schlingnatter gehört.

Bei jedem Fund einer Schlingnatter wird ein Foto des Tieres gemacht. Besonders wichtig ist dabei der Kopf- und Nackenbereich, da die Tiere anhand der individuellen Zeichnung in diesem Bereich auseinandergehalten werden können. So kann festgestellt werden, ob das jeweilige Individuum bereits bekannt ist.

Diese Schlingnatter kannten wir noch nicht, und auf der Fläche, auf der sie gefunden wurde, gelang zuvor auch noch kein anderer Nachweis.

Schlingnatter

Ein anderer Fund dieser Begehung war eine Flügeldecke eines Hirschkäfers. Am selben Ort fand sich vor einem Jahr ein totes Hirschkäferweibchen.

Flügeldecke eines Hirschkäfers
Hirschkäferweibchen, Totfund September 2025

Auch die Pflanzenwelt im Hochmoor hält schöne Beobachtungen parat. So finden sich auf einer der Flächen, auf der die Schlingnattern erfasst werden (zur Evaluation bereits umgesetzter Lebensraum verbessernder Maßnahmen), Bereiche mit dichten Beständen der Gewöhnlichen Moosbeere. Die Gewöhnliche Moosbeere Vaccinium oxycoccos gilt mit ihren zu dünnen Ranken reduzierten , niederliegenden Stämmchen als der niedrigste Zwergstrauch. Da sie sehr nährstoffarme Moorböden bevorzugt und dieser Lebensraum schwindet, ist sie in Deutschland als gefährdet eingestuft.

Bestand der Gewöhnlichen Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
Bestand der Gewöhnlichen Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) aus der Nähe

Eine alte Bekannte ist die Raupe des Kleinen Nachtpfauenauges. Das Anfang August gefundene Exemplar saß in der Besenheide und hatte passend dazu rosa Punktwarzen. Das aktuelle Exemplar saß in einem Heidelbeerbestand und war mit seinen gelben Punktwarzen perfekt angepasst.

Raupe des Kleinen Nachtpfauenauges an Heidelbeerstrauch

Die Bestände der Besenheide Calluna vulgaris sind kräftig am Blühen. Allerdings macht ihnen augenscheinlich die Trockenheit stellenweise zu schaffen. Das Laub ist oft braun verfärbt oder schon abgefallen. Der Hund wurde nicht „entdeckt“ sondern fürs Foto platziert. Sogar mit passendem Halsband 😉

Juno in der (vertrocknenden) Besenheide

Wilde Tiere im Hochmoor

Die Tiere im Hochmoor sind nicht immer leicht zu entdecken.

Wenn man bei der Schlingnattererfassung unter ein künstliches Versteck schaut, ist es nicht immer gleich offensichtlich, ob eine Schlingnatter darunter liegt. Also einen Moment Zeit nehmen und genau hinschauen.

Schlingnatter unter künstlichem Versteck

Die Moorfrösche verraten sich manchmal durch große Sprünge, sonst blieben auch sie gut verborgen.

Moorfrosch

Die Wespenspinnen sind dagegen nicht so leicht zu übersehen. Jetzt im Sommer haben sie überall am Gras und an den Zwergsträuchern ihre Netze gespannt. Man kann kaum einen Schritt machen, ohne Gefahr zu laufen, eines zu zerstören.

Wespenspinne

Die Raupe des Kleinen Nachtpfauenauges ist zwar recht auffällig gefärbt, in der Vegetation aber doch erstaunlich gut versteckt. Dieses Exemplar passt mit seinen rosa Gnubbeln wunderbar in die Besenheide.

Raupe des Kleinen Nachtpfauenauges

Vorbereitungen im Südlohner Moor

In der vergangenen Woche waren wir im Südlohner Moor unterwegs und haben Künstliche Verstecke für die Schlingnatter-Erfassung ausgebracht. Damit setzen wir die Erfassung aus dem letzten Jahr fort, bei der wir Flächen überprüfen, auf denen wir vor 3 Jahren Lebensraum verbessernde Maßnahmen für die Schlingnatter umgesetzt haben.
Da die Flächen recht strukturreich sind, haben die Schlingnattern auch ohne die Dachpappen genügend Versteckmöglichkeiten. Vielleicht sind ein paar Schlangen trotzdem so nett und lassen sich am KV erwischen.

Nähert man sich dem Südlohner Moor von Osten durch das Aschener Moor, passiert man aktive Torfabbau-Flächen auf der einen Seite des Weges und Renaturierungsflächen verschiedener Entwicklungsstufen auf der anderen Seite. Das ist im dritten Bild zu sehen.

Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Blick in die Pflanzenwelt: Das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) blüht und die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) steht in den Startlöchern.

Hochmoorprojekte

Ein weiterer Schwerpunkt in unserer Arbeit als ökologische Station ist der Schutz der Hochmoore. Die Diepholzer Moorniederung mit seinen 15 Hochmooren mit einer Fläche von 24.000 ha bildet einen Schwerpunkt im niedersächsischen Hochmoorschutz. Wir konzentrieren uns dabei auf die beiden Mooren Steinfelder Moor und Südlohner Moor.

Wollgras im Südlohner Moor (Foto: Chrsitian Vogel)

Durch Entwässerung und industriellen Torfabbau, der teilweise noch stattfindet, wurden sämtliche Hochmoore im Kooperationsgebiet größtenteils stark verändert.

Die ursprünglich vorhandenen Pflanzengesellschaften und Lebensraumtypen werden heute großflächig durch monotone Pfeifengras- und Moorbirkenbestände ersetzt. Diese bieten Schlangen kaum geeignete Sommerlebensräume mit Sonnen-, Paarungs- und Eiablageplätzen. Raubwürger finden nur noch wenige der zur Nahrungssuche benötigten niedrigwüchsigen und lückigen Vegetationsbereiche mit eingestreuten Ansitzwarten.

Flächen in der Abtorfung (Foto: Christian Vogel)

In den nicht maschinell abgetorften Randgebieten der Hochmoore finden sich Bereiche, in denen typische Strukturen und Pflanzenarten erhalten geblieben sind, jedoch durch Entwässerung und teils starkes Gehölzaufkommen gefährdet sind.

Glockenheide im Steinfelder Moor (Foto: Christian Vogel)

Unser Projekt teilt sich dabei in vier verschiedene Schwerpunktbereiche:

  1. Durch Bestandserfassungen der Brutvogelarten und Winterreviere (insb. Raubwürger) soll die weitere Entwicklung der Moorgebiete im Zuge der bereits laufenden und weiter anstehenden Renaturierungsmaßnahmen dokumentiert werden und durch flächen- und gebietsbezogene Konzepte die weitere naturschutzfachliche Entwicklung gestaltet werden.
  2. Beweidungen in Zusammenarbeit mit dem Archehof Rolfes aus Steinfeld-Holthausen stellen sicher, das bereits entkusselte Flächen und gehölzfreie Flächen nicht verbuschen und den hochmoortypischen Artengesellschaften Lebensraum bieten. Ein fortlaufendes Monitoring zur Beurteilung der Maßnahmen findet begleitend statt.
  3. Lebensraumverbessernde Maßnahmen für die Schlingnatter. Sie besiedelt heute ebenfalls vielfach die verbliebenen, größtenteils degenerierten Hochmoore und Moorheiden aber auch lichte Waldbereiche, Sandheiden, Bahntrassen, Ruderalfluren und Bodenabbaugebiete.
    Die Maßnahmen werden ebenfalls mit einem Monitoring begleitet.
  4. Der letzte Schwerpunkt liegt in der Bearbeitung von Fragestellungen die uns durch den Landkreis Vechta oder durch das NLWKN angetragen werden. Als unsere Kooperationspartner in der Landschaftspflege bearbeiten wir gelegentlich spezielle Fragestellungen für diese Institutionen, so wird aktuell einen neue Biotoptypenkartierung für beide Moore durchgeführt.

Bei der Bestandserfassung der Brutvogelarten können wir inzwischen Bruten von Kranich, Ziegenmelker, Neuntöter, Schwarzkehlchen und weiteren hochmoortypischen Arten verzeichnen. Diese finden vor allem in den renaturierten und gepflegten Bereichen statt. Auch können inzwischen jährlich Winterreviere der Raubwürger festgestellt werden, leider warten wir noch immer auf die erste Brut dieser Art.

Raubwürger auf einem Zaunpfahl (Foto: Werner Brinkschröder)

Bei der Pflege der Fläche werden wir vom Archehof Rolfes unterstützt und würden diese Zusammenarbeit gerne weiter ausbauen, dazu läuft aktuell ein Crowdfundingprogramm. Weitere Infos dazu finden Sie hier: http://nuvd.de/projekte/hochmoorschutz oder sie spenden direkt hier:

Das Schlingnatterprojekt ist unser neuster Schwerpunkt. In der Vergangenheit wurden nur stichprobenartige Kartierungen in den Mooren durchgeführt. Seit 2019 wurden jetzt aber die ersten Lebensraumverbessernde Maßnahmen im Rahmen des IP-Life Atlantische Sandlandschaften umgesetzt und für die nächsten eineinhalb Jahre ist ein weiteres Projekt zur Bestandserfassung und Lebensraumverbesserung der Schlingnatter beantragt.

Aufschichten von Torfhaufen als Versteck- und Sonnmöglichkeit für Schlingnattern mit der Umwelt AG der Von-Sanden-Schule Lemförde (Foto: Anje Teerling).